Die Steinkonstruktion befindet sich längs einer 2000 Jahre alten Straße, die zum Tempelberg führt und deren Stufen früher Pilger auf ihrem Weg zum Tempel hinaufstiegen. Die Straße, die wie die Treppe aus großen Steinquadern besteht, ist bemerkenswert gut erhalten und seit langem Stätte von archäologischen Untersuchungen.
Welche Funktion hatte die Treppe?
Aufgrund ihrer Lage und Größe muss das Stufenbauwerk schon von weitem für Passanten auf dem Weg zum Tempel sichtbar gewesen sein. Die Archäologen vermuten daher, dass die Steintreppe Teil eines großen Podiums war. Möglicherweise verkündeten Ausrufer hier Botschaften: Ob dazu nur offizielle Nachrichten oder auch Gerüchte oder Reden von Straßenpredigern gehört haben könnten, weiß man heute nicht mehr. In rabbinischen Quellen steht außerdem, dass während der Zeit des zweiten Tempels „Steine” für öffentliche Zwecke genutzt wurden, beispielsweise für Versteigerungen oder als Sammelstelle für verlorene Gegenstände. Derartige Verwendungen des gefundenen Podests sind zwar ebenfalls denkbar, konnten aber noch nicht nachgewiesen werden.
„Ein einmaliger Fund”
Für Nahshon Szanton und Joe Uzie, die die Untersuchung leiten, ist der Fund auf jeden Fall einmalig: „Unseres Wissens wurde ein solches Bauwerk bislang noch nicht entdeckt, trotz zahlreicher Ausgrabungen in Jerusalem und außerhalb.” Teile der Treppe entdeckten britische Archäologen übrigens bereits vor etwa 100 Jahren bei einer Grabung. Sie hielten den Fund jedoch fälschlich für die Stufen eines Hauseingangs. Erst bei der erneuten Entdeckung erkannten die Wissenschaftler nun die Bedeutung des Bauwerks.





