Viele der RAF Mitglieder und deren Opfer stammen aus Baden Württemberg, und auch viele der betroffenen Institutionen haben ihren Sitz dort, wie die Bundesstaatsanwaltschaft in Karlsruhe. In Stuttgart-Stammheim saßen die Gründungsmitglieder der RAF in Haft, auch der Prozess fand dort statt. Der Leiter des Hauses der Geschichte, Thomas Schnabel, sieht im Umgang mit den terroristischen Anschlägen einen „inneren Gründungsmoment“ der Bundesrepublik. Nach der Befreiung von außen 1945 durch die Alliierten, konnte Deutschland die innere Krise des „Deutschen Herbsts“ als Rechtstaat lösen, so Schnabel. Der „Deutsche Herbst“ umfasst die Monate September und Oktober 1977, in denen der deutsche Terrorismus mit zahlreichen Entführungen und Morden durch die RAF seinen Höhepunkt fand.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, wie Gewalt entsteht und welche Folgen sie hat. Die Taten stehen dabei im Vordergrund, betont Austellungsleiterin Paula Lutum-Lenger, nicht die Heroisierung oder Mythisierung der Täter. Die Kuratoren wollten dabei die Privatsphäre der Opfer wahren und dennoch die Angehörigen zu Wort kommen lassen. Interviewaufnahmen zeugen von der Wut, Trauer und Ratlosigkeit der Angehörigen der Opfer. In zwei Koffern liegen die Kondolenzbriefe an Waltrude Schleyer nach der Ermordung ihres Mannes, des deutschen Arbeitgeberpräsidents, Hanns Martin Schleyer im November 1977.
Der erste Ausstellungsraum ist wie ein Trichter konzipiert, der die Spirale der Gewalt symbolisieren soll. Wie wurden aus politisch interessierten, engagierten Schülern und Studenten Terroristen? Ausgestellt werden unter anderem Artikel, die das spätere RAF-Mitglied Christian Klar für die Schülerzeitung am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach schrieb. Daneben bieten Originalobjekte, wie ein improvisierter Pizza-Ofen, einen Einblick in die Haftsituation im Gefängnis Stammheim. Ausgestellt ist auch eine Nachbildung des Schnellhefters, mit dem die Pistole, mit der sich Andreas Baader das Leben nahm, in die Gefängniszellen geschmuggelt werden konnte.
Polaroid Fotografien, auf denen der entführte Schleyer vor dem RAF Logo sitzt und die tief in das Geschichtsgedächtnis der Deutschen eingingen, sind am Ende des Tunnels, im Fluchtpunkt ausgestellt. Um in den nächsten Ausstellungsraum zu gelangen, muss der Besucher einige Schritte zurückgehen. Müsse man der Gewalt den Rücken zu kehren, um einen Ausweg aus der Terrorwelle zu finden, so die Idee der Kuratoren. Transparente und Plakate der Friedensbewegung zeugen davon, dass auch die Gesellschaft eine friedliche Lösung forderte.
Ein Wrackteil vom Fahrzeug des RAF-Opfers und Siemens Managers Karl-Heinz Beckurts zeigt am deutlichsten die direkten Folgen von Gewalt. Im gleichen Raum steht auch das Motorrad von dem aus der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Die Maschine steht stellvertretend dafür, dass für viele Angehörige der Opfer die RAF noch keine abgeschlossene Vergangenheit ist. Wer auf dem Motorrad saß und die tödlichen Schüsse abfeuerte, blieb auch nach dem Prozess gegen Verena Becker im vergangenen Jahr unbekannt.





