Seit 2010 ist das Team um Peter Fischer von der Universität Gothenburg der Geschichte des Fundorts Hala Sultan Tekke im Südosten Zyperns auf der Spur. Hier befand sich von etwa 1600 bis 1150 v. Chr. eine bronzezeitliche Handelsstadt, die eine Fläche von rund 50 Hektar bedeckte. Durch Radar-Untersuchungen des Untergrunds identifizierten die Archäologen hier zahlreiche Überreste von einstigen Brunnen und weiteren verborgenen Strukturen.
In diesem Jahr glückte den Forschern dann der große Fund: Eine Grabanlage inklusive Beigaben-Grube. Es handelte sich den Forschern zufolge um ein Familiengrab: Sie fanden die Überreste von acht Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren und von neun Erwachsenen, von denen der älteste 40 Jahre erreicht hat. „Die Lebenserwartung war damals kurz”, kommentiert Fischer.
Ein Skarabäus mit der Kartusche von Thutmosis III.
Es muss sich offenbar um eine wohlhabende Familie gehandelt haben, wie aus den reichen Funden hervorgeht: Die Archäologen entdeckten neben den über 100 Keramikgefäßen mehrere Gold- beziehungsweise Schmuckgegenstände, darunter ein Diadem, Perlen, Ohrringe und ägyptische Skarabäen. Unter den Funden befindet sich auch ein Bronzedolch, außerdem stießen die Archäologen auf zylindrische Siegel, von denen einige lokal produziert worden waren, andere stammten hingegen aus Syrien und Mesopotamien.
Einen der goldgefassten ägyptischen Skarabäen konnten die Forscher interessanterweise einer berühmten Person des alten Ägyptens zuordnen: Er trägt die Kartusche des Pharao Thutmosis III. (1479-1425 v. Chr.). Während seiner Herrschaft erreichte der Machtbereich Ägyptens seine größte Ausdehnung: Thutmosis III. eroberte Syrien und Teile von Mesopotamien und des heutigen Iraks.
Weitreichende Beziehungen zeichnen sich ab
In den Keramikfunden spiegeln sich ebenfalls die weitreichenden Verbindungen der Menschen auf Zypern wider: Sie stammten aus Griechenland, Kreta und Anatolien, berichten die Archäologen. Einige der reich verzierten Gefäße zeigen Darstellungen im minoischen Stil. Beispielsweise ist eine Frau in eindrucksvollen Kleidern dargestellt, wie sie auch von Abbildungen aus dem Palast von Knossos auf Kreta bekannt sind.
Den Archäologen zufolge könnten noch viele weitere spannende Funde im Boden des Fundortes Hala Sultan Tekke schlummern. Sie wollen dort nun weiter graben: „Im Frühjahr 2017 werden wir unsere Ausgrabungen von Teilen der Stadt und der Gräber fortsetzen. Da beide Bereiche von landwirtschaftlichen Tätigkeiten bedroht sind, ist schnelles Handeln nötig, um unser gemeinsames kulturelles Erbe zu sichern, bevor es für immer zerstört wird”, sagt Fischer.





