Zu sehen ist das Doppelporträt eines Paares, das sich an den Händen haltend in prächtigen Kleidern und feierlicher Pose präsentiert, offenbar in einer Schlafkammer. Der Mann hebt die rechte Hand wie zum Gruß, die schwangere Frau legt ihre linke Hand auf den Bauch. Im Hintergrund hängt ein Kronleuchter von der Zimmerdecke und an der Wand ein runder Spiegel, eingefasst in einen kunstvollen Rahmen mit Passionsmotiven. Der struppige Vierbeiner zu Füßen des Paares dient nicht nur als Blickfang: Nach damaligem Brauch symbolisierten Hunde die Treue in der Ehe.
Kunstexperten diskutieren zwei Hypothesen: Die wahrscheinlichste verrät bereits der Titel des Bildes und besagt, dass es ein Hochzeitspaar aus der italienischen Kaufmanns- und Bankiersfamilie Arnolfini darstelle. Die Brautleute werden als Giovanni di Nicolao Arnolfini und dessen zweite Frau Giovanna Cenami angegeben. Um seine gesellschaftliche Position zu unterstreichen, habe Arnolfini beim flämischen Maler Jan van Eyck das Kunstwerk in Auftrag gegeben, das dieser 1434 vollendete.
Der Toskaner Arnolfini, der sich in Brügge niedergelassen hatte, kam durch den florierenden Handel zwischen Flandern und Italien zu einem beachtlichen Vermögen. Van Eyck hält im Bild sogar ein unscheinbares Zeichen des Reichtums fest – die wie zufällig plazierten Orangen auf einer Kommode unter dem Fenster, die damals, teuer importiert, als purer Luxus galten.
Es hält sich jedoch hartnäckig eine andere Hypothese, wonach auf dem Bild ein Doppelporträt von van Eyck selbst und seiner Gattin Margarete zu sehen sei. Dies scheint auch die Forschung des britischen Kunsthistorikers Lorne Campbell zu bestätigen, der 1998 die Darstellung einer Hochzeit oder Verlobung als widerlegt betrachtete. Endgültige Klarheit brachte seine Expertise gleichwohl nicht.
Denn die Signatur van Eycks über dem Spiegel stiftet weiter Verwirrung. Gewöhnlich verwendete der Künstler die lateinische Formel: „Johannes de Eyck fecit“ (Jan van Eyck hat es gemacht); bei der „Arnolfini-Hochzeit“ signierte er mit „Johannes de Eyck fuit hic“ (Jan van Eyck war hier). Die Änderung und die opulenten Schnörkel in der Signatur weisen auf einen festlichen Anlass hin, naheliegend eine Hochzeit. Diese Vermutung scheint auch das Spiegelbild zu bestätigen, in dem mehrere Personen zu erkennen sind (Ausschnitt links): Sind es Trauzeugen, die dem Arnolfini-Paar gegenüberstehen? Da das Bild mit 82 auf 60 Zentimetern relativ klein ist, sind genauere Details über die Personen und deren Anzahl nicht eindeutig identifizierbar.
Autor: Rudolf Gruber





