Die Nutzung von Pflanzen als Heilkräuter und Droge hat in der Menschheitsgeschichte eine lange Tradition. In fast allen Kulturen verwendeten Menschen solche Pflanzen, um Krankheiten zu heilen, zur Reinigung und als berauschende und bewusstseinserweiternde Drogen bei Ritualen und religiösen Zeremonien – von Opium über psychoaktive Pilze bis zum halluzinogenen Pflanzensud Ayahuasca in Südamerika. Doch gerade bei Kulturen, die keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben, ist das Wissen um diese Praktiken und ihre Wurzeln oft verloren gegangen. Hier sind Forschende daher auf archäologische Funde angewiesen, beispielsweise in Form von Substanzrückständen in alten Gefäßen.

Chemische Spurensuche in eisenzeitlichen Räuchergefäßen
Diesen Ansatz haben nun auch Archäologen um Barbara Huber vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena genutzt. Für ihre Studie haben sie Rückstände untersucht, die in eisenzeitlichen Räuchergefäßen der Oase Qurayyah im Nordwesten Saudi-Arabiens gefunden wurden. „Diese Ort war in der Bronzezeit und Eisenzeit ein bedeutendes stadtähnliches Zentrum“, erklären Huber und ihre Kollegen. Bei Ausgrabungen in Qurayyah wurden auch zahlreiche Schalen und Gefäße entdeckt, in denen offenbar einst Substanzen verbrannt wurden. Einige dieser Räuchergefäße wurden in Wohnräumen und Küchen gefunden, andere in Kellern.
Um herauszufinden, was damals in diesen Gefäßen verbrannt wurde, analysierte das Team die Rückstände mithilfe einer Kombination aus modernster Chromatografie und Massenspektrometrie. Diese kombinierte Analysetechnik ermöglicht den Nachweis selbst winziger, chemisch degradierter Spuren pflanzlicher Rückstände. „Durch diese Integration von biomolekularen Analysen mit archäologischen Methoden gelang es uns nicht nur, die Art der Pflanzen zu identifizieren, die die Menschen damals benutzten, sondern auch warum, wie und wo sie dies taten,“ erklärt Co-Autorin Marta Luciani von der Universität Wien. „Das erlaubt uns einen einmaligen Einblick in botanische Praktiken, die für das damalige Leben zentral waren, archäologisch aber meist kaum erhalten bleiben.“
Rückstände der Steppenraute
Mithilfe dieser Analysen entdeckte das Team Rückstände mehrerer Alkaloide in den Räuchergefäßen, die von der psychoaktiven Heilpflanze Peganum harmala stammen – auch bekannt als Steppenraute oder Harmal. Dieses robuste, an trockene Standorte angepasste Kraut ist von Südeuropa und dem Nahen Osten bis nach Asien verbreitet und wächst auch in Saudi-Arabien. Schon länger ist bekannt, dass sie vielerorts für ihre medizinische Wirkung geschätzt wurde. So wirken die Samen der Steppenraute antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernd und betäubend. In höherer Dosis verursachen sie Halluzinationen. Die Rückstände in den Räuchergefäßen der Qurayyah-Oase belegen nun, dass diese Pflanzen auch dort schon vor 2700 Jahren verwendet wurde.





