Der Autor entwirft ein gesamteuropäisches Panorama der Revolution und ihrer Vorgeschichte. Frankreich und die Habsburgermonarchie, Preußen und die italienischen Staaten stehen im Mittelpunkt, doch auch jene Staaten, die nicht revolutionär erschüttert wurden, werden betrachtet. Die Forschungsliteratur berücksichtigt Rapport unterschiedlich stark: Vor allem zu Frankreich werden auch speziellere Studien genannt, für den deutschen Raum dominiert die ältere Überblicksliteratur.
Zur Erzählung gehört, dem zeitlichen Ablauf des Geschehens zu folgen. Die sieben Kapitel tragen Überschriften, die den Stil des Buches charakterisieren: „Ein Wald von Bajonetten“, „Der Zusammenbruch“, und dann folgen Sprachbilder, welche die Revolution als eine Folge der Jahreszeiten ausweist: „Völkerfrühling“, „Glutroter Sommer“, „Herbst der Gegenrevolution“ und „Winterzeit der Revolu‧tion“. Nur der „Schluss“ fällt aus dieser Bilderkette, vielleicht weil der Autor nahelegt, von den „liberalen Revolutionen von 1848“ eine Brücke zu den „Revolutionen von 1989 in Mittel- und Osteuropa“ zu schlagen.
In den chronologischen Erzählfluss, der nach Staaten gegliedert ist, sind vergleichende Betrachtungen zu wichtigen Problemfeldern der Revolution eingefügt. So werden die Rolle der Bauern dargelegt, der Widerstreit der nationalen Bewegungen oder die Beteiligung von Frauen an der Revolution. Ausführlich werden auch die Anläufe zur Juden-Emanzipation und die antijüdischen Bewegungen, die mit dieser Revolution verbunden waren, geschildert.
Die Frage nach den Wirkungen der Revolution beantwortet der Autor ambivalent: Vieles scheiterte, doch der Eintritt der vielen in die Politik war nicht mehr rückgängig zu machen, und die Gewinne der Bauern blieben dauerhaft gesichert. Er greift auf Lewis Namiers Bild von der Revolution als dem „Saat-Beet der Geschichte“ zurück: Die nationalen Gegensätze und die Spannung zwischen politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit standen damals auf der Tagesordnung der Geschichte und verschwanden nicht mehr von der Agenda.
Rezension: Prof. Dr. Dieter Langewiesche





