Er kleidete sich sorgsam ein, bevor er von Bord ging. Schlüpfte in den Rock aus rotem Brokat mit Hermelinkragen. Setzte sich nach der Mode der Zeit den federgeschmückten Dreispitz auf die Perücke. Gürtete den spanischen Degen um und zwei türkische Pistolen. Nahm den zierlichen Gehstock mit vergoldetem Knauf zur Hand. So erschien er vor der Menschenmenge, die seit drei Tagen aus den umliegenden Bergen herbeigeströmt war und sich an der Anlegestelle drängte, um ihm zuzujubeln.
Der Auftritt im Hafen von Aleria am 15. März 1736, die anschließende Wahl und Krönung zum König eines unabhängigen Korsika markierten den Erfolgsgipfel in der Biographie des Freiherrn Theodor von Neuhoff. Er hatte allerdings mit seinen damals noch nicht 42 Jahren bereits ein außergewöhnlich buntes und bewegtes Leben hinter sich. Ausgebildet am Hof Ludwigs XIV. in Versailles, hatte er als junger Offizier der französischen Armee mit Bravour im Spanischen Erbfolgekrieg gefochten, war dann jahrelang in konspirativen Zirkeln unterwegs gewesen, schließlich als Wunderheiler durch die Lande getingelt. Auf diese Weise war Neuhoff in ganz Europa herumgekommen, mal in Paris aufgetaucht, dann wieder in London, Madrid, Amsterdam, Antwerpen, Göteborg, Venedig, Rom. Dabei war er ständig verschuldet, öfter auf der Flucht vor seinen Gläubigern, hatte mit Gefängniszellen an unterschiedlichen Orten Bekanntschaft machen müssen. Behörden mehrerer europäischer Staaten hatten ihn zur Fahndung ausgeschrieben.





