Der Briefwechsel aus den Jahren von 1847 bis 1851 dokumentiert Bruiningks schrittweise verlaufenden Wandel: Aus einer aristokratisch sozialisierten Frau wurde eine entschiedene Unterstützerin der Revolution – oder, wie ein Bericht der Dresdner Polizeidirektion sie 1851 nannte, eine „politische Fanatikerin“. Kinkel wurde dabei zur Schlüsselfigur. Bruiningk verehrte den Dichter, der sie zunächst vor allem literarisch ermutigte und die Veröffentlichung ihres ersten Werks unterstützte.
Mit Kinkels Verhaftung im Umfeld der Revolution von 1848/49 gewann die Korrespondenz neue Dringlichkeit. Während Kinkel im Gefängnis saß, wurde seine Ehefrau Johanna zur wichtigen Mittlerin: Sie leitete Bruiningks Briefe weiter und sorgte dafür, dass die Antworten des Gefangenen zur Post kamen. Die Briefe zeigen, dass Ehefrau und Freundin sich unermüdlich für den Gefangenen einsetzten, Informationen austauschten, Unterstützer mobilisierten und Protest organisierten. Bruiningk spielte schließlich eine zentrale Rolle bei Kinkels spektakulärer Befreiung aus dem Zuchthaus in Spandau – sie finanzierte die Flucht zu großen Teilen. Nachdem ihr Briefwechsel polizeilich beschlagnahmt wurde, emigrierte Bruiningk 1851 nach London, wo ihr Haus zur Anlaufstelle für deutsche politische Flüchtlinge wurde.
Die Briefe sind mehr als Zeugnisse einer besonderen Freundschaft: Sie sind das Protokoll eines politischen Aufbruchs und erinnern daran, dass die Märzrevolution auch vom Mut engagierter Frauen getragen wurde.
Autorin: Dr. Anna Joisten
Literatur
Gottfried und Johanna Kinkel/Marie von Bruiningk, Revolutionäre Briefe 1847–1851. Hrsg. von Hermann Rösch/Peter Sprengel. Göttingen 2025.





