Schwaben und Preußen stehen am Anfang. Weizsäcker hält die Zeit des „Alten Fritz“ für eine goldene Epoche – da wurde „richtig regiert“. Und Heimat? Das Schwäbische, ja, aber nur vermittelt durch die Balladen Schillers. Mit 49 Jahren, 1969, kam Weizsäcker in den brodelnden Bundestag: Ostverträge. Weizsäcker ist für sie, er will eine Aussöhnung mit Polen, dafür hatte er sich bereits in der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) eingesetzt. Aber nun gehört er einer „frustrierten“ Unionsfraktion an – die Mehrheit will die Verträge verhindern und Brandt stürzen. Weizsäcker liegt über Kreuz mit den eigenen Leuten und fragt sich, ob er in der falschen Partei ist – nicht zum letzten Mal. Weizsäcker hält Helmut Schmidt für den stärksten Kanzler. Er musste in schwierigen Zeiten regieren und hatte nicht das Glück, dass die Geschichte ihm West- oder Ostpolitik oder gar „1989“ zuspielte. Anders Kohl; Weizsäckers Distanz zu ihm durchzieht das letzte Drittel des Buches, auch, weil Kohl die Wiedervereinigung als ausschließlich sein Werk illuminierte, mit Ausnahme des lieben Gottes.
Die Familie Weizsäcker – das war eine potentielle „deutsche Idee“. Einerseits. Andererseits aber auch eine „deutsche Verstrickung“. Als Sohn von „Hitlers Chefdiplomaten“, eines verurteilten Kriegsverbrechers, wurde Richard angegriffen. Dennoch verteidigte er den Vater. Hofmann porträtiert Weizsäcker als den großen Eigenständigen, als den Lernenden, als Verkörperung der Bundesrepublik, und schlägt in einem einsam stehenden Satz Weizsäckers Lebensmotto an: „Er bewies Autonomie – trotz Partei“.
Brandts Melodie lautete „links und frei“, Weizsäckers könnte mit „frei und Herr“ (Freiherr) zum Gleichklang gebracht werden. Populär war Weizsäcker als Bundespräsident, aber er war „kein Kumpel, sondern Repräsentant, mehr Staatspräsident, weniger Bürgerpräsident“. Dieses kleine Stück Distanz, so Hofmann, machte erst möglich, dass er für so viele zur Identifikationsfigur wurde. Ein weises Buch, eine Deutschstunde.
Rezension: Prof. Dr. Edgar Wolfrum





