In ihren Memoiren beschrieb Hedwig Koch unter anderem die zahlreichen Forschungsreisen und öffentlichen Auftritte an der Seite ihres Mannes. Dabei thematisierte sie auch die Schattenseiten der Ehe, der sie ihren Ruf und ihre Karriere geopfert hatte. Seiner Schwiegermutter hatte Robert Koch versprochen, die junge Frau auf Händen zu tragen. Die Realität stellte sich Hedwig zufolge jedoch ganz anders dar: „Zuerst hatte ich meine besten Freunde, meine Malkunst bei dem beständigen Hin- und Herreisen in den ungesündesten Gegenden der Erde, unter beständigem Chininrausch und mit Arbeiten für Koch überhäuft, … zurückstellen und vergessen müssen und nun schien sogar das ganze Dasein zu Ende zu sein.“ Ausführlich schilderte sie etwa, wie sie „mutterseelenallein und sterbenskrank“ monatelang in einer Schiffskabine gelegen habe, nachdem Koch sie von einer Forschungsreise aus Neuguinea heimgeschickt hatte. Ihren Mann zeichnete sie in weiten Teilen als empathielos und unterstellte ihm eine „unheimliche Seelenkälte“.
Hedwig Kochs Aufzeichnungen zeugen vom Selbstverständnis einer selbstbewussten Frau, die mit ihrer Rolle als Ehefrau haderte. Als sie ihre Memoiren im Oktober 1934 zu Papier brachte, war ihr Mann längst gestorben. In ihren Schilderungen schwingt zweifellos auch die Enttäuschung über Koch mit, der sein Testament vor seinem Tod zugunsten der Tochter aus erster Ehe geändert hatte. Hedwig Kochs Erinnerungen sind dennoch ein eindrucksvolles Dokument, das einen sehr privaten Blick auf Robert Koch ermöglicht und die Wahrnehmung des Wissenschaftlers um neue Facetten erweitern kann.





