Der Untertitel des Originals lautet: „Geschichte einer Einsamkeit“. Die elternlose Kindheit, das lange Stipendiatendasein in persönlicher Armut auf einem Pariser Elitegymnasium, früh erfahrene Zurücksetzungen trotz Anerkennung seiner geistigen Fähigkeiten und Interessen, die den Jüngling für die altrömischen Tugenden der Sittenstrenge und sparsamen Lebensführung begeisterten, die Wahl des Anwaltsberufs: All dies mag die Rigorosität des „Unbestechlichen“ erklären, seit er sich nach einigen Jahren der Anwaltstätigkeit in seiner Heimatstadt Arras 1789 zum Abgeordneten des dritten Standes in die Generalständeversammlung wählen ließ. Nun widmete er sich der Politik, in der er es nach schwierigen Anläufen schließlich zum Quasi-Regierungschef brachte.
In diesem Zusammenhang stellt der Autor Robespierres Gabe zur Selbstinszenierung und zur Beeinflussung der Öffentlichkeit dar, ohne die politischer Erfolg nicht zu erlangen ist. Die Dramatik des Aufstiegs und des jähen Sturzes, als die „Revolution“ seinen Rigorismus nicht mehr ertrug, werden in glänzender Form geschildert, ebenso das geradezu tragische Ende. Auch 40 Jahre nach dem ersten Druck wirkt der Text frisch und lebendig: Das Buch bleibt lesenswert. Abgerundet wird es durch einen eindrucksvollen Essay der beiden Herausgeber über die Entwicklung des Robespierre-Bildes, die ja zugleich ein Teil der Historiographie über die Französische Revolution ist – auch diese eine nie endende Geschichte.
Rezension: Erbe, Michael





