
Die Entdeckungsgeschichte des erstaunlichen Fundortes beim Ammertenhorn in der Gemeinde Lenk geht auf den Sommer 2020 zurück, berichten der Archäologische Dienst des Kantons Bern und das Bernische Historische Museum in einer gemeinsamen Mitteilung: Zwischen den Steinen auf dem entlegenen Hochplateau hatte ein Wanderer eine alte Münze entdeckt und verständigte anschließend den Archäologischen Dienst. Die Nachforschungen entwickelten sich dann zu einem aufwändigen Projekt: Ein Expertenteam bezog in Zelten Quartier auf dem etwa 2600 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Plateau und untersuchte das Areal systematisch.
Weihegaben für Gottheiten
So kam dann nach und nach eine umfangreiche Sammlung an Funden zusammen, geht aus der Mitteilung hervor: Die Archäologen entdeckten rund hundert römische Münzen aus einer breiten Zeitspanne. Die älteste stammt demnach aus der Zeit von Kaiser Tiberius und wurde zwischen 22 und 30 n. Chr. geprägt. Die jüngste Münze stammt aus dem 4. bis 5. Jahrhundert. Die Archäologen fanden außerdem ein sogenanntes Votiv-Blech aus Bronze, sowie 27 Bergkristalle und weitere Objekte.

Doch wie und warum kamen diese Gegenstände an diesen entlegenen Ort? Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen Bereich mit kultischer Bedeutung gehandelt hat, an dem Weihegaben für Gottheiten niedergelegt wurden, erklärt der Berner Kantonsarchäologe Adriano Boschetti: „Das Hochplateau zwischen Ammertenhorn und dem weithin sichtbaren, erhabenen Wildstrubelmassiv könnte ein heiliger Ort gewesen sein. Und vergleichbare Fundensembles werden oft als Weihegaben gedeutet“, sagt Boschetti. Besonders deutlich ist das offenbar im Fall des Votiv-Bleches. Denn solche Objekte wurden auch in Tempeln und Heiligtümern in den römischen Provinzen nördlich der Alpen gefunden.





