Auslöser des Funds war die Erweiterung eines Gewerbegebietes von Zülpich, in dessen Zuge auch ein neuer Verbindungskanal und ein neues Entwässerungssystem gebaut werden sollten. Doch bevor die Bagger anrollten, bekamen erst einmal die Archäologen ihre Chance. Denn aus Luftbildern und ersten Vorgrabungen war bekannt, dass die geplante Erweiterung geschichtsträchtiges Gelände passieren würde.
In diesem Bereich Zülpichs verlief einst eine der wichtigsten Fernstraßen der einstigen römischen Provinz Niedergermanien, die sogenannten “Agrippa-Straße”. Sie verband Köln über das damalige Tolbiacum (heute Zülpich) mit Trier und bildete den nördlichen Abschnitt einer wichtigen Verkehrsachse bis an das Mittelmeer. Nahe dieser römischen Straße liegen zudem Reste eines inzwischen als Bodendenkmal eingetragenen römischen Landgutes. Da der geplante Kanal unmittelbar an den Rändern dieser Hofanlage vorbeiführen würde, veranlasste das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland die archäologische Untersuchung der etwa vier bis fünf Meter breiten Trasse.
Römergrab auf Kanaltrasse
Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit stieß der für den vorsichtigen Bodenabtrag eingesetzte Bagger neben den Spuren eines römischen Weges auf eine große, grauviolette Sandsteinplatte. Wie die weitere Ausgrabung enthüllte, gehörte sie zu einem noch unberührten römischen Steinsarkophag. Der rund 2,30 Meter lange und 1,10 Meter breite Sarg stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., wie die Archäologen mitteilen. Er ist damit der erste römerzeitliche Sarkophag im Rheinland außerhalb Kölns, der seit mehr als zehn Jahren entdeckt worden ist. Solche Sarkophage seien Ausnahmefunde, weil sie in den nördlichen Provinzen nur vereinzelt für die Bestattung wohlhabender Römerinnen und Römer verwendet wurden, so die Forscher.
Die Dame aus Zülpich – die Funde aus dem Sarkophag zeigen wir in dieser Bildergalerie
Innerhalb einer Woche legten die Archäologen das Grab mit dem Steinsarg vorsichtig frei, um Details wie die Gestalt der Grube und weitere Funde zu dokumentieren. Geöffnet und bekanntgegeben wurde der bereits im Herbst 2017 gemachte Fund jedoch zunächst nicht. Denn die Forscher wollten verhindern, dass weitere Ausgrabungen und die vollständige Sicherung benachbarter Gräber durch Schaulustige gestört wurden. Zudem sollte der Sarkophag erst unter kontrollierten Bedingungen in den Werkstätten des LVR-LandesMuseums in Bonn geöffnet werden, um möglichst viele Informationen aus seinem Inhalt herauslesen zu können.






