Die Entdeckungsgeschichte im Naturreservat „Schaaren“ bei der Gemeinde Schlatt im Kanton Thurgau geht bereits auf Funde vor rund 20 Jahren zurück: Damals wurden an einer zunächst unauffällig wirkenden Stelle unweit vom Rhein römische Münzen entdeckt. Neue Hinweise kamen dann im vergangenen Winter hinzu: Bei Waldarbeiten wurden Objekte und Hinweise im Gelände gefunden, die vermuten ließen, dass dort einst ein römisches Gebäude gestanden hat. Dies führte schließlich zu einer genaueren Untersuchung.
Vom Hinweis zum Beweis
Wie das Amt für Archäologie Thurgau nun berichtet, zeichnete sich immer deutlicher ab, dass an dem Fundort ein spätantiker Wachturm gestanden hat. Dies belegten Entdeckungen von typischen Bauelementen sowie Ausrüstungsteilen römischer Soldaten. Eine Münze mit dem Abbild des Kaisers Konstantin I. ermöglichte außerdem eine grobe Einordnung der Anlage auf die Zeit nach 300 n. Chr.

Hinweise über das Aussehen des Gebäudes lieferten dann schließlich die Konturen im Gelände: Es zeichnet sich das Fundament eines quadratischen Baus mit Ausmaßen von rund sieben mal sieben Metern und etwa einen Meter dicken Mauern ab. Von dem Gebäude selbst sind nur Mörtelreste, Dachziegel und einige Steine übriggeblieben. Wie die Experten erklären, wurde das Baumaterial in späteren Zeiten offenbar abgetragen und wiederverwendet.
Den Turm umgab im Abstand von etwa fünf Metern außerdem ein Graben, zeigen weitere Spuren der Anlage im Geländeprofil. Es ist zu vermuten, dass diese Vertiefung zusätzlich mit Palisaden oder anderen Befestigungselementen aus Holz ausgerüstet war. Vergleiche der entdeckten Strukturen mit anderen bekannten militärischen Anlagen entlang des Rheins bestätigen ebenfalls, dass es sich um die Reste einer turmartigen Befestigungsanlage handelt, schreibt das Amt für Archäologie Thurgau.
Schutz vor Einfällen aus dem Norden
Die Neuentdeckung gehörte demnach zu den Wehranlagen, die auf der Strecke von Basel bis nach Stein am Rhein bereits bekannt sind. Sie stellten offenbar Verbindungsglieder zwischen den größeren spätantiken Festungen in dem Grenzgebiet dar. Die nächstgelegene war dabei das Kastell Stein am Rhein, das etwa um 300 n. Chr. errichtet worden war. Ein letztes Mal versuchte Kaiser Valentinian um 370 n. Chr. die Rheingrenze und das Hinterland in der Region zu befestigen. Gegen wen, scheint klar: Aus der Region nördlich des Rheins drohten Einfälle und Raubzüge von Germanen in das geschwächte weströmische Reich. Möglicherweise hielten aber auch Germanen selbst in den Türmen Wache: Aus vergleichbaren Anlagen gibt es Hinweise darauf, dass damals germanische Hilfstruppen im Dienst der Römer standen.





