Neue Büros, Wohnungen und Geschäfte sollen im Zentrum Londons in der Nähe des Bahnhofs London Bridge entstehen: Neben der Bedeutung für die Stadtentwicklung entpuppte sich die Baustelle auf dem Gelände von „The Liberty of Southwark“ auch als eine Goldgrube für die Archäologie: Bei Sondierungen kamen zunächst verschiedene Funde aus der römischen Ära der Stadt zutage, die sich vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. erstreckte. Das bisherige Highlight bildete dann im vergangenen Jahr der Fund von zwei großen Mosaiken auf dem Gelände.
Spuren einer repräsentativen Grabanlage
Wie das mit der Untersuchung beauftragte Museum of London Archaeology (MOLA) mitteilt, hat das Archäologenteam dort nun weitere antike Strukturen entdeckt. Es handelt sich den Befunden zufolge um die Überreste einer Grabanlage, die mehreren Toten gewidmet war. Viele der einstigen Bauelemente wurden wohl im Mittelalter abgetragen und wiederverwendet. Doch die verbliebenen Strukturen deuten darauf hin, dass es sich um ein repräsentatives Gebäude gehandelt hat, das einst möglicherweise zwei Stockwerke hoch war und von großen Pfeilern in den Ecken gestützt wurde.
Zu Relikten dieses Gebäudes gehören die Reste der Eingangstreppe, basale Wandstrukturen sowie vor allem der Bodenbelag des Inneren. Es zeichnet sich zudem ab, dass sich an drei Seiten des Raumes Plattformen befanden, bei denen es sich offenbar um die Plätze für die Bestattungen gehandelt hat. Sie waren den Spuren zufolge mit einem widerstandsfähigen und wasserfesten rosafarbenen Mörtel gebaut worden, dem sogenannten opus signinum.
Das Highlight der Funde bildete allerdings ein quadratisches Mosaik im Zentrum des Bodens, das bei seiner genaueren Untersuchung noch eine weitere Überraschung preisgab: Die Archäologen fanden direkt darunter ein zweites Mosaik, das ebenfalls freigelegt wurde. Wie sie erklären, spiegelt sich in dieser Konstellation wider, dass das Mausoleum im Laufe seines Bestehens verändert wurde: Offenbar hat man den Boden erhöht und dann erneut ein Mosaik eingefügt.
Ein Familiengrab der Oberschicht?
Beide Versionen sind dabei ähnlich gestaltet: Sie zeigen eine Blume in der Mitte, die von einem Muster konzentrischer Kreise umgeben ist, die wiederum in eine Pflasterung aus kleinen roten Fliesen eingefasst sind. Die Experten gehen davon aus, dass das Mausoleum von den wohlhabenderen Mitgliedern der römischen Gesellschaft Londiniums genutzt wurde – vielleicht war es ein Familiengrab. „Durch den Erhaltungsgrad des Innenraums handelt es sich um das intakteste römische Mausoleum, das je in Großbritannien entdeckt wurde“, schreibt MOLA.
Die genaue Datierung bleibt zwar bisher unklar, aber die Anlage stammt wohl aus späterer Zeit als die beiden großen Mosaike und die Wohnstrukturen, die bei den früheren Ausgrabungen entdeckt wurden. Offenbar avancierte das Areal im Laufe der Stadtentwicklung von einem Siedlungsbereich zu einem Begräbnisort, wie weitere Funde belegen: „In der unmittelbaren Umgebung des Mausoleums wurden über 80 römische Gräber mit persönlichen Gegenständen wie Kupferarmbändern, Glasperlen, Münzen, Töpferwaren und einem Knochenkamm entdeckt“, berichten die Archäologen.





