„Eine derartige Sicherung ist bisher einmalig im Rheinland. Offenbar wurde das Lager über eine längere Zeit genutzt, keinesfalls nur als Marschlager. Die Entdeckung ist eine kleine Sensation, denn die Anlage war sicherlich von ganz besonderer militärischer Bedeutung. Wir werden die Fläche auf jeden Fall in die Antragsliste für das UNESCO-Welterbe ‚Niedergermanischer Limes‘ aufnehmen”, so Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Auffällige Muster im Getreide-Acker
Entdeckt hat das neue Lager der Luftbild-Archäologe Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum. Er fliegt regelmäßig Gebiete in Nordrhein-Westfalen ab, um Aufnahmen von archäologisch relevanten Flächen zu machen. In den Luftbildern ist das Getreide an der Stelle über den römischen Gräben dunkler. Das hängt damit zusammen, dass die Füllung lockerer ist als das umgebende Erdreich und die Pflanzen dadurch tiefer wurzeln und mehr Nährstoffe aufnehmen können. Auf den Bildern von Baoquan Song sind die für römische Lager typischen Gräben mit abgerundeten Ecken im Bereich von Kapitelshof und Westrichhof bei Bedburg-Hau-Till sichtbar. Dass es sich dabei um einen Platz von besonderer Bedeutung handeln muss, schlossen LVR-Archäologen aus der mit mehreren parallelen Gräben ungewöhnlich starken Befestigung.
Weitere Spuren ergaben sich aus einer Luftbildkarte des niederländischen Vermessungsamtes und aus geophysikalischen Messungen, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln durchgeführt wurden. In dem Gelände am Westrichhof sind zahlreiche Lagerspuren zu erkennen. Sie lassen darauf schließen, dass das Areal über einen längeren Zeitraum und wiederholt genutzt wurde. Die Anlage mit mehrfachen parallelen Lagergräben weist eine Länge von mindestens 500 Metern und eine Breite von etwa 370 Metern auf. Die Befestigung umschließt dabei eine Fläche von etwa 14 Hektar. Das entspricht einer Größe von rund 20 Fußballfeldern. „Marschlager wurden meist für einen oder wenige Tage benutzt. Sie weisen üblicherweise nur einen Lagergraben auf. Am Westrichhof lassen die vielen Lagerphasen und die massiven Befestigungen auf einen längeren Aufenthalt einer römischen Truppe schließen, als wir erwartet hatten”, so Steve Bödecker, Limes-Projektleiter beim LVR.
Zur Klärung der Bauweise der Lagerbefestigung lässt das archäologische Fachamt des LVR jetzt am Westrichhof eine Untersuchung durch die Firma Artemus durchführen. Die Grabung wurde quer durch die Umwehrung angelegt. Damit will man die Größe und Bauweise der Spitzgräben, die innenliegende Aufschüttung und eine mögliche Bebauung im Inneren nachweisen. Üblicherweise errichtete das römische Militär mit dem Aushub einen Wall. Länger genutzte Lager erhielten eine von Holzpflöcken eingefasste „Holz-Erde-Mauer”. Zugleich erhoffen sich die Fachleute anhand von Funden Hinweise auf die Datierung und damit auf die Nutzung des Lagers.





