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Römisches Spanien
Geschichte & Archäologie

Römisches Spanien

Das antike Spanien sei ein „Experimentierfeld für demographische Umwälzungen und Kulturtransferprozesse“ gewesen. Was Pedro Barceló hier in seiner neuen Geschichte des antiken Spanien einleitend feststellt, ist nicht das einzige, wohl aber ein gutes Motiv, sich näher mit der Iberischen Halbinsel im Altertum zu…
28. Juli 2025
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Barceló, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Uni Potsdam, ist ein Kenner der Materie durch und durch. Das merkt man auf jeder Seite des Buches, das den Leser im Wesentlichen chronologisch durch die komplizierte und mit etlichen Eigenlogiken gespickte Geschichte des alten Iberien leitet. Auf die knappe Skizze der Geo- und Ethnographie folgen die Fundplätze, die von der Präsenz von Phöniziern und Griechen auf der Halbinsel erzählen. Im von den Griechen Tartessos genannten Andalusien lässt sich dann zum ersten Mal die gegenseitige Befruchtung von Fremden und Einheimischen beobachten. Als Ergebnis diverser Kolonisations- und Einwanderungsschübe präsentierte sich Iberien am Vorabend der Eroberung durch die Barkiden – Hannibals Familie – als ethnisch-kultureller Flickenteppich.

Barcelós Geschichte gewinnt mit den dichter werdenden Quellen deutlich an Tempo: Er schildert, wie Spanien unter den Barkiden zur Basis einer neuen „karthagischen Machtpolitik“ wurde, wie die Halbinsel dann in den Sog des Zweiten Punischen Krieges geriet und wie sie anschließend von den Römern in einer rund 200 Jahre dauernden „Landnahme“ brutal unterworfen wurde.

Schließlich erfährt der Leser, wie sich die iberischen Provinzen zügig so weit romanisierten, dass mit Trajan bereits 98 ein Senator mit spanischen Wurzeln zum römischen Kaiser aufsteigen konnte. „Romanisierung“ deutet Barceló nicht als von oben verordneten Wandel, sondern als Prozess, der vor allem ausging von lokalen Eliten, die „sich einen möglichst prominenten Platz in der Rangordnung einer von Rom dominierten Welt sichern wollten“.

Die „Antike“ reicht bei Barceló über die Christianisierung und das Ende des Westgotenreichs hinaus bis zur Errichtung des Kalifats von Córdoba im Jahr 929. Dass der zeitliche Rahmen so weit gesteckt wurde, tut dem Buch gut. Auch die Darstellung ist durchweg gelungen. Allenfalls wäre zu monieren, dass der Verfasser für die römische Kaiserzeit besser einer systematischen als einer chronologischen Logik gefolgt wäre. Barcelós Geschichte Spaniens füllt eine Lücke, sie dürfte sich schnell als Standardwerk etablieren.

Rezension: Prof. Dr. Michael Sommer

Pedro Barceló
Geschichte Spaniens in der Antike
Von den Phönikern bis zum Kalifat von Córdoba
Verlag C. H. Beck, München 2025, 492 Seiten, € 38,–

BarcelGeschichteSpanien

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