Dafür gab es nur die eine Erklärung: Ein „nicht sichtbares Licht“ drang durch den Karton. Und nicht nur durch den Karton. Röntgen fand schnell heraus, daß verschiedene Materialien diese „Strahlen“ unterschiedlich gut „durchließen“. Nach weiteren Forschungen war Röntgen sich sicher: Er hatte eine sensationelle Entdeckung gemacht, die er „X-Strahlen“ nannte.
Am 28. Dezember 1895 reichte Röntgen ein Manuskript über diese „neue Art von Strahlen“ bei der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg ein. Darin gibt der Wissenschaftler bereits Hinweise auf die medizinische Anwendbarkeit seiner „X-Strahlen“: Endlich war es den Medizinern nun möglich, ins Leibesinnere zu schauen, ohne den Körper öffnen zu müssen. Furore machten zudem die ersten Röntgenbilder der Geschichte, die Röntgen lieferte und die die „Wiener klinische Wochenschrift“ 1896 veröffentlichte: Schön und schaurig zugleich wirkten die Aufnahmen der Hand Frau Röntgens, „um deren Finger die Ringe frei zu schweben scheinen“, wie ein Pressebericht schwärmte. Die Tatsache, daß diese Aufnahme nach 20minütiger Durchleuchtungszeit entstanden war, regte damals niemanden auf: Noch waren die tödlichen Nebenwirkungen der Strahlen, die so viele Röntgenpioniere das Leben kosten sollten, unbekannt.
Röntgen jedenfalls wurde für seine bahnbrechende Forschertätigkeit hoch geehrt: Er erhielt 1901 den ersten Nobelpreis für Physik.





