Der Autor bändigt in dem zuerst 1995 erschienenen und jetzt geringfügig überarbeiteten Buch den gewaltigen Stoff, indem er einen siedlungsgeographischen Stadtbegriff zugrundelegt und die Entwicklung Roms zu einem urbanen Zentrum nachzeichnet. Weil Kolb – wie auch in der jüngsten Troia-Debatte – eine Historisierung der Mythen vehement ablehnt, rekonstruiert er die Frühzeit auf der Basis der Bodenfunde nüchtern und im Gegensatz gerade zur italienischen Forschung betont minimalistisch. Eine Stärke des Buches liegt darin, daß immer wieder Daten und Überlegungen zur Siedlungsgröße, Bevölkerung und wirtschaftlichen Entwicklung mitgeteilt werden, ohne den Leser zu langweilen oder zu überfüttern. Roms siegreiche Kriege und der Wettbewerb innerhalb der aristokratischen Elite bildeten die wesentlichen Triebkräfte der weiteren Entwicklung. Die daraus erwachsenden Folgen lassen die Kapitale der bewohnten Welt am Ende der Republik als Stadt “zwischen imperialem Glanz und administrativem Chaos” erscheinen. Erst die Kaiser, allen voran Augustus, sorgten mit enormen Geldmitteln, Gestaltungs- und Repräsentationswillen für Besserung. Weil damit die Richtung der urbanen Entwicklung festgelegt war, stellt der zweite, umfangreichere Teil des Buches eher eine systematische, ungemein dichte Stadtbeschreibung als eine wirkliche Stadtgeschichte dar. Man erfährt minutiös, wie Rom aussah, wie man dort lebte und wie die Stadt verwaltet wurde.
Die nicht mehr geschilderte Spätantike brachte dann erneut einschneidenden Wandel, erinnert in den großen Katastrophen wie der wiederholten Eroberung und Plünderung der Ewigen Stadt im 5. Jahrhundert. n. Chr. Als Gregor I. 590 Papst wurde, lebten nicht mehr als 30 000 Menschen in Rom. Nach der Lektüre von Kolbs Buch ist klar, warum dies als Zeitbruch empfunden werden mußte.
Rezension: Walter, Uwe





