Das Buch kann natürlich mit seinen Abbildungen prangen. Manches ist aus früheren Werken dieser Art gut bekannt; die Fotos von Michael Larvey sind dagegen neu. Kaum zu umgehen ist das Problem, dass die meisten Bilder aus Pompeii oder Ostia stammen und diese Städte nicht sehr typisch sind. Neben den üblichen Themen, etwa Unterhaltung, Kneipen und Bäder, findet sich indes auch ein Kapitel Kriegstrophäen, das auf das Forum des Trajan führt. Weitere Abschnitte behandeln „Abendgesellschaften“, „Gesichter“ sowie „Tod und Nachruhm“; das Aufsu‧chen eines Patrons am frühen Morgen ist – so wie Martial es sah – unter „Arbeit“ subsumiert.
Warum die römische Kaiserzeit bis 327 n. Chr. reichen sollte, verwundert ebenso wie die Herleitung der Begriffe Demokratie und Monarchie aus der römischen Welt. Doch auf die zu Beginn des Buchs gestellte Frage, ob die alten Römer „genau wie wir“ waren, gibt Clarke eine bedenkenswerte Antwort: natürlich nicht, blickt man auf die blutigen Opfer oder die Verherrlichung des Krieges.
Auf einer anderen Ebene aber dann doch. Denn weil Rom machtpolitisch so erfolgreich war, mussten alle Römer mit einer kulturell immer komplexer werdenden Umgebung zurechtkommen. Die Gesellschaft bestand aus Personen von hochgradig verschiedenen kulturellen Prägungen, die trotz ihrer tiefgehenden Unterschiede lernten zusammenzuleben. Das könnte auch eine akkurate Beschreibung unserer kleiner werdenden Welt des 21. Jahrhunderts sein. Dazu gehörte dann auch der Krawall im Amphitheater, als „die einfachen Leute aus Pompeii ihren großkotzigen Nachbarn eine Lek‧tion erteilten“.
Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter





