Diesen Herbst eröffnet das Rubenshaus eine überraschende Ausstellung. Das Museum beleuchtet erstmals das Werk von Peter Paul Rubens (1577–1640) als Architekt und Architekturkenner. Dass Rubens nicht nur Kunstmaler, sondern auch ein begnadeter Architekt war, ist ziemlich unbekannt. In der Ausstellung „Palazzo Rubens. Der Meister als Architekt“ vom 10. September bis zum 11. Dezember im Rubenshaus lernt der Besucher anhand von Büchern, Handschriften, Zeichnungen und Gemälden aus der Zeit von Rubens den Meister von einer ganz anderen Seite kennen.
Während seines langen Italienaufenthalts (1600–1608) hatte Rubens viel Gelegenheit dazu, alle wichtigen antiken und modernen Gebäude in allen Einzelheiten zu studieren. Rubens war daher ein großer Kenner antiker und moderner italienischer Architektur. Seine Faszination für die Baukunst äußerte sich in erster Linie in seinen Gemälden. Er teilte sein Wissen jedoch auch gern mit seinen Zeitgenossen. So veröffentlichte er 1622 das Architekturbuch „Palazzi di Genova“, in dem er Architekten und Architekturliebhabern Beispiele guter Architektur vorstellte, wie er sie aus Genua kannte.
Dass Rubens eine klare Meinung über Architektur hatte, lässt der Briefwechsel mit dem nordniederländischen Künstler Constantijn Huygens (1596–1687) ablesen. Aus Anlass der Errichtung von Huygens’ Haus in Den Haag merkt Rubens an, dass die Fassade für ein Stadtpalais zu schlicht war. Bei der Gestaltung der Fassade waren ihm Dynamik und Kontraste sehr wichtig, ebenso Dekor und Repräsentation in der Architektur. Privathäuser mussten im Einklang mit dem Stand, dem Ruf und dem Ansehen des Bewohners sein.
Rubens beschäftigte sich nicht nur theoretisch mit Architektur, sondern betätigte sich auch in der Praxis als Architekt. Das Haus, das er 1610 gemeinsam mit seiner Frau Isabelle Brant am Wapper in Antwerpen kaufte, ließ er nach eigenen Entwürfen um eine überkuppelnde halbrunde Bildergalerie, eine Werkstatt, ein triumphbogenartiges Gartenportal und einen Gartenpavillon erweitern. Mit diesem ehrgeizigen Umbau erschuf Rubens ein Haus, das stark an einen römischen Palazzo erinnerte. Rubens war einer der Ersten, die die Auffassungen der italienischen Künstler-Architekten wie Michelangelo auf ihre eigene erfindungsreiche Weise in den Niederlanden einführten.
Der Erfolg ließ nicht auf sich warten! „Ihre Häuser sollen das Erstaunen der Fremden, die Bewunderung der Reisenden erwecken“, schrieb 1620 der damalige Antwerpener Stadtsekretär über die Häuser von Rubens und Drucker Moretus.
Beinahe gleichzeitig mit den Arbeiten an seinem Haus war Rubens als Berater in die Gestaltung der Antwerpener Jesuitenkirche einbezogen, der heutigen Sint-Carolus Borromeus-Kirche. Rubens entwarf 1635 auch die vorübergehende Festarchitektur für den Feierlichen Einzug in Antwerpen von Kardinal-Infant Ferdinand, dem neuen Landvogt der Niederlande.





