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Rückkehr in eine mythische Heimat
Die Mischna, der erste Sammeltext rabbinischer Lehren, war nach den vernichtenden Niederlagen gegen Rom entstanden. Indem jüdische Gelehrte bewusst auch die Reise nach Mesopotamien antraten, ging daraus in „Babylonien“, der Heimat des Stammvaters Abraham, der Babylonische Talmud hervor – die Grundlage jüdischer…
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von CHARLOTTE ELISHEVA FONROBERT
Seit ihren frühesten Anfängen waren die rabbinische Bewegung und ihre Kultur, die sie nachfolgenden Generationen von jüdischen Denkern und Gemeinden in der Diaspora vererbte, im biblischen Land „Israel“ verwurzelt. Dort war es, wo diese Bewegung in kleineren Lehr- und Lerngruppen zuerst Gestalt anzunehmen begann, in der Folgezeit der beiden katastrophalen römisch-jüdischen Kriege. Dort, in der Region Galiläa, war es auch, wo die Lehren der rabbinischen Gelehrten zuerst archiviert und geordnet wurden. So entstand der erste Sammeltext, der bis heute als die Mischna bekannt ist.
Die Mischna, ein Grundtext des jüdischen Gesetzes oder der Halacha, verankerte sich anscheinend gezielt im Land Israel der biblischen Traditionen. Die rabbinischen Weisen formulierten ihre Lehren in der Sprache der Schrift, in Hebräisch, einer Sprache, die im römischen Reich maximal als provinziell gelten konnte. Weiterhin widmeten die Rabbinen in der Mischna einen Großteil ihrer Lehren jenen Gesetzen und Geboten, die mit dem Tempel bzw. dem zentralen Heiligtum in Jerusalem zu tun hatten, sowie auch solchen, die mit den landwirtschaftlichen Traditionen des Landes „Israel“ zu tun hatten: Das waren Gesetze, welche die Mischna als „vom Land abhängige Gebote“ bezeichnete.
Eine jüdische Diaspora außerhalb des Landes tritt in der Mischna kaum in Erscheinung. Ihre Existenz war den Gelehrten der Mischna zwar bekannt. Generell aber scheinen sie nicht besonders an jüdischer Diaspora interessiert gewesen zu sein, weder an den westlich gelegenen Gemeinden im Römischen Reich noch an jenen im alten Mesopotamien, zur Zeit der Mischna das Zentrum im Reich der Parther. Die Perspektive der Mischna war daher zunächst eine nach innen gerichtete. Sie nahm insbesondere das nicht mehr existierende Heiligtum, den Tempel in Jerusalem, in den Blick.
Rabbinen begeben sich auf die Reise ostwärts – nach Mesopotamien
Es erscheint daher überraschend, dass sich die Mischna für einen kulturellen Transfer in die Situation der Diaspora eignen könnte. Aber genau dieser Prozess begann in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts – eine Art kulturelle Migration, welche die Basis für eine jahrhundertelang andauernde jüdische Diaspora-Kultur bereitete. Rabbinische Gelehrte dieser Zeit begannen die Reise ostwärts – nach Mesopotamien, durch die syrische Wüste in das Herrschaftsgebiet des Partherreiches (und später der Sassaniden), eine Gegend, welche die Rabbinen antiquierend mit dem biblischen Namen „Babylonien“ (Bawel) bezeichneten.
Außer den rabbinischen Traditionen gibt es kaum historische Zeugnisse für diese frühen Reisen über den Limes des Römischen Reiches hinweg. Letztendlich ging aber aus dieser Migration und dem Transfer der Lehrtraditionen der Mischna in die Dörfer und Städte des alten Mesopotamien eine der größten kulturellen Errungenschaften der jüdischen Diaspora hervor, der sogenannte Babylonische Talmud. Er stellt das Textmonument für das kreative und intellektuelle Potential jüdischer Diaspora überhaupt dar. Neuerdings wird dieser Talmud selber metaphorisch als „traveling homeland“ („wandernde Heimat“) beschrieben, in Anlehnung an Heinrich Heines Umschreibung der Tora als „tragbares Vaterland.“
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Ungeachtet unserer historiographischen Schwierigkeiten, die geschichtlichen Anfänge der spätantiken jüdischen und rabbinischen Diaspora in Mesopotamien zu rekonstruieren, geben die talmudischen Erzähl- und Lehrtraditionen Aufschluss über das rabbinische Denken darüber. So schreibt eine galiläische Lehrtradition aus dem 3. Jahrhundert der rabbinischen Gründerfigur Rabban Jochanan, Sohn des Zakkai, eine theologische Frage zu: „Warum wird ‚Israel‘ immer wieder nach ,Babylonien‘ [Bawel] ins Exil geschickt, mehr als in jedes andere Land?“ Der biblische Begriff „Babylonien“ kann hier sowohl auf das biblische Babylonische Exil infolge der Eroberung Judäas durch das Babylonische Reich im 6. Jahrhundert v. Chr. bezogen werden als auch auf die spätantike, rabbinische Migration. Die rabbinischen Erzähler verstehen sich dabei selbst als Nachfolger des biblisch-mythischen „Volkes Israel“, die in ein babylonisches Exil abzuwandern verurteilt sind. Babylonien steht hier für „Exil“ (galut) bzw. Diaspora schlechthin. Die überlieferte Antwort auf die Frage Rabban Jochanans ist tiefsinnig: Grund für Babylonien als modellhaftes Exil sei, dass „das Haus unseres Vaters Abraham von dort stammt“.
Dieser frühe Text bestimmt somit die Zerstreuung nach „Babylonien“ nicht als eine, die in fremde Länder und Reiche führt, sondern vielmehr als eine Art Rückkehr in eine biblisch-mythische Heimat, den Geburtsort des Erzvaters des biblischen Volkes Israel. Die nachfolgende Parabel unterstreicht diese Dynamik weiter: „Womit kann dies verglichen werden? Mit einer Ehefrau, die sich gegenüber ihrem Ehemann unwürdig verhalten hat. Wo sendet er sie hin? In ihr Vaterhaus.“ Das biblische „Volk Israel“ bzw. die rabbinischen Gelehrten als seine Nachfolger begeben sich somit nicht wirklich in ein Exil in fremden Ländern. Vielmehr kehren sie in eine Art mythische Heimat zurück. Bawel („Babylonien“ bzw. Mesopotamien) werden in diesen Traditionen also als Ursprungsland verortet.
Seit der Mischna wird Babylonien von den Rabbinen immer mehr als eine Art „zweites Land Israel“ begriffen, wie Salomon Funk es schon vor über einem Jahrhundert in seiner Geschichte der „Juden in Babylonien 200 –500“ (1902) formuliert hat. Tatsächlich lieferte Mesopotamien den Kontext, in welchem die Rabbinen ihre Kultur des Lehrens und Lernens entwickeln konnten, eine Kultur, die zur Grundlage jüdischer Diaspora wurde. Der historische Zufall der Diaspora („Zerstreuung“) wurde somit in sinnstiftende, kollektive Existenz umgewandelt, verbunden mit einem imaginären Mittelpunkt anderswo, dem biblisch-mythischen Zion und dem ehemaligen Heiligtum in Jerusalem.
So wurden die Traditionen der Mischna durch die große syrische Badia-Wüstenebene, die das römische Reich und seine Ostprovinz Syria-Palästina von Mesopotamien trennte, hin und her getragen und in die rabbinischen Lehrzentren und Städte Mesopotamiens – Nehardea, Sura, Pumbedita, Machosa – transferiert. Hier entstanden rabbinische Diaspora und Kultur, eng verwandt mit den Lehrtraditionen und -praktiken in Galiläa, und doch so unterschiedlich geprägt.
Die Gelehrten weinen zwar, aber von Vertreibung ist keine Rede
Historiker nehmen generell an, dass insbesondere der katastrophale Bar- Kochba-Aufstand (132 –135) im römischen Palästina Anlass einer Auswanderung wurde. Das mag zutreffen, aber erstaunlicherweise werden in den fragmentarischen, rabbinischen Erzähltraditionen insbesondere im Babylonischen Talmud die Anfänge der rabbinischen Migration nach Mesopotamien kaum als Vertreibung, Verlust oder gar Trauma reflektiert.
Eine scheinbare Ausnahme ist eine frühe Erzählung von zwei Gelehrten, welche das Land verlassen: „Als sie Paltom erreichten und des Landes Israel gedachten, erhoben sie ihren Blick und weinten, zerrissen ihr Kleider … Sie sprachen: Im Land Israel zu verweilen wiegt alle anderen Gebote der Tora auf.“ Die mit dem Verlassen des Landes verbundene Trauer ist offensichtlich, aber selbst dieser Text erwähnt nicht ausdrücklich Vertreibung als Grund der Migration. In einer ähnlichen Erzählung begeben sich zwei Gelehrte in die Stadt Nisibis der Partherzeit, um dort einen bekannten Rabbinen aufzusuchen und mit ihm „Tora“ zu studieren. Obwohl auch sie auf dem Weg anhalten und über ihr Verlassen des Landes Tränen vergießen, werden diese Gelehrten eher als akademische Migranten denn als Kriegsflüchtlinge dargestellt.
Generell müssen wir uns damit begnügen, dass es keine große und umfassende Erzählung über die Ursprünge der rabbinischen Diaspora im Parther- und Sassanidenreich gibt. Bestenfalls können wir uns auf anekdotische Erinnerungsfragmente im talmudischen Erzählgut stützen. So steht im Zentrum der talmudischen Erinnerung an die Anfänge rabbinischer Gelehrsamkeit ein Gelehrter mit dem Namen Abba Aricha, kurz als Rav bekannt, der zusammen mit seinem Kollegen Schmu’el in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts der wichtigste Gelehrte der ersten talmudischen Generation von Erklärern der Mischna in „Babylonien“ war. Rav wird im Talmud als ein Gelehrter dargestellt, der von Mesopotamien nach Palästina und zurück zieht. In Galiläa, so die talmudischen Erzählungen, studierte dieser Rav unter anderem mit dem großen Rabbi Jehuda ha-Nassi, dem Patriarchen der jüdischen Gemeinden in Palästina, dem die Aufsicht über die Organisation der Mischna zugeschrieben wird.
Lehren und Lernen: Der Funke springt von Mund zu Mund
In einer wundervollen, poetischen Anekdote, die einem jüngeren Kollegen Ravs, Rabbi Jochanan von Galiläa, zugeschrieben ist, wird Folgendes überliefert: „Ich saß vor Rabbi [Jehuda ha-Nassi], 17 Reihen hinter Rav, und Feuerfunken sprangen aus dem Mund Ravs in den Mund Rabbi [Jehudas] und aus dem Mund Rabbis in den Mund Ravs, und ich verstand nicht, was sie sprachen.“ In dieser talmudischen Anekdote kann Rabbi Jehuda ha-Nassi als Repräsentant der rabbinischen Lehrtraditionen Israels, im Grunde genommen der Mischna selbst, verstanden werden, während Rav eine Art Brückenfigur ist, welche die Verbindung mit den anwachsenden Lehrtraditionen der babylonischen Diaspora darstellt, tatsächlich einer der Mitbegründer dieser Diaspora.
In diesem Moment des gemeinsamen Lernens und Lehrens, dargestellt durch das ausdrucksstarke Bild der Funken, werden beide rabbinischen Welten eine, die Mischna und ihre Erklärung aus dem römischen Palästina sowie ihre babylonischen Lehrer und Lernenden. Und genau in diesem Moment wird auch die mündliche Tradition der Mischna übertragbar, von Mund zu Mund sowie von Galiläa bzw. Palästina nach „Babylonien.“
Eine andere Anekdote über den Gelehrten Rav aus dem talmudischen Erzählgut gewinnt ihre Bedeutung erst, indem der frühmittelalterliche Gelehrte Rav Sherira ben Chanina (10. Jahrhundert) sie verwendete, und zwar in der Zeit nach der Vollendung der talmudischen Traditionen und ihrer Festlegung im „Babylonischen Talmud“. Rav Sherira, auch bekannt als Sherira Gaon, war einer der Leiter der talmudischen Akademie von Pumbedita während der Herrschaft der Abbasiden, zu einer Zeit, als die Akademie aus der Provinz in die neue Hauptstadt des Abbasidenreiches, die neugegründete Stadt Bagdad, überwechselte.
In der jüdischen Geschichtsschreibung ist Rav Sherira für seine Epistel (Iggeret) an die jüdische Gemeinde in Kairouan (heute Tunesien) über die historische Entwicklung der rabbinischen Tradition und des Talmuds berühmt geworden. In seinem Rundschreiben zitierte er die talmudische Anekdote über Rav und dessen – so Rav Sherira – Rückkehr nach „Babylonien“, um dort eine eigene Lehrakademie zu gründen und sein in Palästina erworbenes Wissen in der babylonischen Diaspora zu verankern.
Es wird erzählt, dass Rav bei seiner Rückkehr sich zuerst in Nehardea, einer schon von Josephus erwähnten Stadt am Euphrat, niederließ, wo aber sein Kollege Schmu’el die lokale Lehrautorität innehatte. In der Nacherzählung der talmudischen Anekdote durch Rav Sherira wird der Ort als ein Tora-Ort, ein makom Tora, beschrieben. Die talmudischen Erzähler berichten, dass Rav daraufhin weiterzog, bis er eine Ortschaft namens Tatelpush fand. Dort gab es zwar schon eine jüdische Diaspora-Gemeinde, aber sie war noch nicht mit den rabbinischen Erklärungen des biblischen Gesetzes vertraut.
In der metaphorischen Formulierung im Talmud heißt es: „Rav fand eine ,offene Ebene‘ und versah sie mit einem ,Zaun‘“. Der „Zaun“ ist in der rabbinischen Literatur häufig Metapher für rabbinische Gesetzesinterpretation und -gebung, die sozusagen um die biblischen Gebote gezogen werden. Ein im rabbinischen Sinn gesetzloser Ort bedarf in der Sicht Ravs einer Kultivierung durch die Tora. Die Erzähler deuten somit an, dass Rav die rabbinische Lehre mit sich trug und nach Tatelpush ins damalige Perserreich der Parther brachte. In seiner späteren Nacherzählung formuliert Rav Sherira, dass Rav sich dabei sagte: „Ich werde mich hier niederlassen, so dass es an diesem Ort Tora geben wird.“
Für den Rav Sherira wurde die talmudische Anekdote somit zu der Gründungsgeschichte einer der beiden großen talmudischen Akademien seiner eigenen Zeit, nämlich der Akademie aus Sura, die neben Pumbedita bis in die Zeit der Abbasiden weiter existierte. Rav Sherira wählte „das Jahr 530 des griechischen Königreichs“ (219 n. Chr.) als das Jahr der Ankunft Ravs in Sura und datierte somit die Gründung von dessen Akademie auf dieses Jahr – und die damit einhergehende Institutionalisierung von rabbinischer Lehre und Existenz in der babylonischen Diaspora.
Historiker wie David Goodblatt und Isaiah Gafni bezweifeln allerdings Sheriras Rekonstruktion als ein anachronistisches Konstrukt, denn die großen Talmud-Akademien hätten sich erst in der frühislamischen Zeit herausgebildet. Im 3. Jahrhundert hingegen, das heißt in der Zeit von Rav, habe es vielmehr kleinere Kreise von Gelehrten gegeben, die sich in den nachfolgenden Jahrhunderten weiter etablierten.
Ende des 6. Jahrhunderts ist die talmudische Lehre abgeschlossen
Seit Rav und seiner Niederlassung in der nur talmudisch-literarischen Ortschaft Tatelpush, aus der die Akademie Sura hervorging, konsolidierte sich die jüdisch-rabbinische Diaspora im Reich der Sassaniden, jener Dynastie, die seit 224 bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts (bis zur Ankunft der Muslime) im Perserreich herrschte. Generationen von rabbinischen Gelehrten vermittelten die Lehre der Tora, das jüdische Gesetz (Halacha) sowie seine Interpretation und Analyse, außerdem Hagiographien über die Vorväter der rabbinischen Weisen aus der Zeit der Mischna. Anfänglich geschah dies auch im römischen Palästina, wo sich ähnliche Prozesse von Institutionalisierung rabbinischen Tora-Studiums ergaben, vor allem in den größeren Städten Galiläas wie Tiberias und Sepphoris.
In beiden rabbinischen Zentren entstand eine spezifisch rabbinisch-jüdische Pietät, einschließlich einer damit einhergehenden Einhaltung von biblisch begründeten Geboten. Auf der römischen Seite erfuhr dieser Prozess Anfang des 5. Jahrhunderts einen tiefen Einschnitt, und zwar mit dem Ende des jüdischen Patriarchats als politischer Repräsentation der Juden Palästinas und der Diaspora.
Historiker nehmen an, dass die Absetzung des letzten Patriarchen Gamaliel VI. durch den oströmischen Kaiser Theodosius II. zu einer Art Endredaktion des talmudischen Studiums der Mischna führte und somit zu einer Entstehung des Textes, der heute als Palästinischer oder Jerusalemer Talmud (Jeruschalmi) bekannt ist. Von diesem Talmud ist nur ein einziges, vollständiges, allerdings fehlerhaftes Manuskript von 1289 erhalten.
Im Sassanidenreich hingegen konnte sich das rabbinische Lehren und Lernen weiter erhalten, bis weit in die islamische Zeit. Die jüdischen Diaspora-Gemeinden im Sassanidenreich erfreuten sich einer nicht unbeträchtlichen Unabhängigkeit. Sie unterstanden in erster Linie der gerichtlichen und zum Teil auch politischen Autorität des sogenannten Exilarchen, im Babylonischen Talmud als resch galuta („Haupt der Diaspora“) bekannt, dem Äquivalent des Patriarchen in Palästina.
Die talmudischen Gelehrten standen nicht immer auf bestem Fuß mit dem Hof des Exilarchen, aber er tritt im Babylonischen Talmud oft in Erscheinung. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ist zum Beispiel die Überlieferung der bekannten, rabbinisch-inspirierten Maxime dina de-malkhuta dina, dass das Gesetz des Königreiches (oder Staates) als solches anzuerkennen sei, der Autorität des Exilarchen zu verdanken.
Diese Maxime wird viermal im Babylonischen Talmud zitiert, meist im Zusammenhang mit steuerrechtlichen oder anderen finanziellen Regelungen. Generell scheint sie eine wie auch immer zu begrenzende Anerkennung eines nicht-jüdischen Staatsrechtes darzustellen.
Irgendwann begannen aber auch die talmudischen Rabbinen in ihrem „Babylonien“, ihre Lehrtätigkeit zu sammeln und zu organisieren, und zwar der Struktur der Mischna folgend. Daraus wurde das, was wir heute den Babylonischen Talmud oder Bavli nennen.
Schon seit der Epistel von Rav Sherira Gaon gibt es – bis heute – die unterschiedlichsten Theorien dazu, wann und wie der Babylonische Talmud als „Werk“ abgeschlossen und wie er verschriftlicht wurde. Allgemein wird angenommen, dass die talmudische Lehre bis zum Ende der Perserzeit in der Mitte des 6. Jahrhunderts abgeschlossen war, schon allein deswegen, weil die Ankunft der islamischen Herrscher im „Babylonien“ der Rabbiner keine Spuren hinterlassen hat. Wie lange danach eine weitere Bearbeitung des talmudischen Werkes stattgefunden haben könnte, ist umstritten. Hinweise auf eine Verschriftlichung des Werkes gibt es seit dem 10. Jahrhundert.
Es ist der Babylonische Talmud, der bis in die Neuzeit die Grundlage aller und jeder jüdischen Gelehrsamkeit wurde sowie auch der nachfolgenden Weiterentwicklung des jüdischen Rechtes. Es ist auch der Babylonische Talmud, im Tandem mit der Mischna, der die biblischen Traditionen erst zu dem machte, was uns heute als Judentum vertraut ist.
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