Im Fokus der beiden US-Antropologinnen Samantha Hens und Ann Ross standen insgesamt fast 100 Schädel von drei Friedhöfen aus dem ersten bis dritten Jahrhundert n. Chr.: Von Isola Sacra an der Westküste Mittelitaliens, Velia an der südlichen Westküste nahe Neapel und Castel Malnome am Rande der Stadt Rom. Mittels moderner forensischer Techniken nahmen die Forscherinnen Messungen von 25 spezifischen Punkten von jedem Schädel. Die Daten erlaubten ihnen, eine Formanalyse durchzuführen, die sich auf „geometrische Morphometrie” stützt – ein Studienfeld, das biologische Formen charakterisiert und bewertet.
Griechisch geprägtes Aussehen im Süden
„Wir haben festgestellt, dass es zwischen den beiden Küstengemeinschaften Isola Sacra und Velia erhebliche kraniale Unterschiede gab, obwohl sie vergleichbare Populationen in Bezug auf Klasse und Beschäftigung repräsentierten”, berichtet Ann Ross. Samantha Hens führt weiter aus: „Wir glauben, dass dies daran lag, dass die Gegend um Velia eine Bevölkerung mit griechischen Wurzeln besaß, im Gegensatz zum einheimischen Bevölkerungshintergrund bei Isola Sacra”. Die Gegend um Neapel war in der Zeit der hellenistischen Expansion vom 8. bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten besiedelt worden.
In den Merkmalen der Schädel vom antiken Friedhof Castel Malnome spiegelt sich hingegen eine andere Geschichte wider, sagen die Forscherinnen: Die aus allen Teilen des Römischen Reiches zusammengewürfelte Bevölkerung im Raum der Hauptstadt Rom sorgte für eine deutliche Heterogenität.
Abschließend heben die beiden Anthropologinnen die Besonderheit und das mögliche Potenzial ihrer ungewöhnlichen Untersuchungstechnik hervor: „Forscher haben schon viele Techniken verwendet – von der Linguistik bis hin zu zahnärztlichen Befunden, um zu beleuchten, wie sich die Bevölkerung im Verlauf der Geschichte des Römischen Reiches verändert hat”, sagt Ross. „Unseres Wissens nach, ist unsere Studie nun die erste, bei der geometrische Morphometrie verwendet wurde, um römische Überreste zu untersuchen”.
Samantha Hens betont: „Anhand der Muster von Ähnlichkeiten und Unterschieden lassen sich nicht nur einstige Bevölkerungsbeziehungen rekonstruieren und Veränderungen im Laufe der Geschichte dokumentieren. Darüber hinaus kann diese Methode auch konkrete Einblicke gewähren, wie diese Menschen einmal ausgesehen haben”, so die Anthropologin.





