Wenn auch diskutabel ist, ob hier nicht ein Scheingefecht gegen ein außerhalb von Indiana Jones-Filmen eher selten vertretenes Archäologie-Bild geführt wird, so lässt sich trotzdem festhalten, dass die gewählte Methodik sehr gut funktioniert.
Jedes Kapitel des Bildbandes beginnt zunächst mit einer Beschreibung des präsentierten Schatzes, aus der im Folgenden dann Implikationen und Fragen abgeleitet werden. Schön ist hierbei, dass die Ausführungen nicht beim jeweiligen Gegenstand stehenbleiben, sondern dass eine angemessene und anschauliche Kontextualisierung erfolgt.
Objektabhängig unterscheidet sich der Fokus, auf den die Betrachtung in den jeweiligen Kapiteln gelegt wird. So wird beispielsweise bei der Analyse der Nachbildung eines persischen Wagens (Teil des sogen. Oxos-Fundes) zunächst nach den Aussagen gefragt, die sich aus der reinen Existenz des Wagens ableiten lassen. Zu nennen wäre etwa ein Straßennetz, ohne das ein solch feingliedriger Wagen, wie er der Skulptur Modell gestanden haben muss, gar nicht zu gebrauchen wäre. Daran anschließend werden weniger offensichtliche Details in den Blick genommen, wie z.B. ein an der Front des Wagens angebrachtes Symbol. Dieses Zeichen ist auf eine ägyptische Schutzgottheit zurückzuführen, was wiederum auf einen kulturellen Austausch zwischen Persien und Ägypten schließen lässt. Am Ende steht die Erkenntnis, dass es sich bei der Skulptur wahrscheinlich um eine Votivgabe aus einem Heiligtum handelt. Die Ausführungen wecken gleichzeitig aber beim Leser eine Vielzahl an neuen Fragen: Wie genau funktionierte der kulturelle Austausch zwischen Ägypten und Persien? Was brachte einen Perser an der Grenze zu Afghanistan stehend dazu, sich lieber auf den Schutz eines ägyptischen Gottes als auf den eines persischen zu verlassen? Dieses Vorgehen des Denkanstoßes durch Aufwerfen von Fragen ist die methodische Stärke des Buches. Gleichzeitig entfaltet sich so ein guter Lesefluss, der durch eine eingängige, auch dem interessierten Laien erschließbare Sprache unterstützt wird.
Abgerundet wird die Darstellung durch eine qualitativ hochwertige Bebilderung, die mit dem Text gut verzahnt ist.
Die einzelnen Kapitel des Buches stehen für sich allein und können so auch „häppchenweise“ gelesen werden, Anmerkungen und Literaturverweise sind als Endnoten pro Kapitel separat nummeriert, was die Orientierung erleichtert. Außerdem ist der Einband mit einer Karte versehen, auf der die einzelnen Fundorte verzeichnet sind.
Insgesamt handelt es sich bei dem Bildband um ein gelungenes Werk, welches dazu ermuntert, beim den nächsten Museumsbesuch die ausgestellten Exponate mit anderen Augen zu sehen und andere Fragen an sie zu stellen.





