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Schamanin von Bad Dürrenberg trug Federkopfschmuck
Geschichte & Archäologie

Schamanin von Bad Dürrenberg trug Federkopfschmuck

Vor etwa 9000 Jahren wurde in Bad Dürrenberg im Saalekreis eine Frau bestattet. Neue Analysen dieses steinzeitlichen Grabs belegen nun, dass dort eine Schamanin samt aufwändigem Kopfschmuck aus Geweih und Vogelfedern begraben wurde. Unmittelbar neben dem Grab legten zudem Menschen noch 600 Jahre später Kopfschmuck…
Autor
Claudia Krapp
16. Dezember 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Das Grab der sogenannten Schamanin von Bad Dürrenberg wurde bereits 1934 im Saalekreis entdeckt. Damals mussten die zufällig gefundenen Gebeine der Toten innerhalb kurzer Zeit geborgen werden. Erst seit 2019 haben Archäologen das Areal um das einstige Grab systematischer freigelegt, dabei weitere Relikte gefunden und näher untersucht. Bei den bisherigen Analysen haben die Experten bereits festgestellt, dass das Grab aus der Mittelsteinzeit stammt und dass dort vor etwa 9000 Jahren eine 30 – bis 40-jährige Frau begraben wurde, zusammen mit einem ungefähr sechs Monate alten Kind. Die Frau trug einen Kopfschmuck aus Rehbockgeweih sowie ein Gehänge aus Tierzähnen. Diese und weitere reiche Beigaben weisen darauf hin, dass die Tote zu Lebzeiten eine besondere soziale Stellung innehatte: Sie war wahrscheinlich die Schamanin und spirituelle Anführerin ihrer Gruppe.

Mikroskopiebilder von den Federkomponenten
Federfragmente von Bad Dürrenberg A) Unidentifizierbarer Bogen-/Hakenstrahl; B) Bogen-/Hakenstrahl von einer Wasservogelfeder, wahrscheinlich Gans; c) Bogen-/Hakenstrahlen von Singvögeln; D) Bogen-/Hakenstrahl von Hühnerartigen. © Tuija Kirkinen

Schamanin wurde mit Federschmuck bestattet

Nun liegen neue Erkenntnisse zu weiteren Fundstücken aus diesem Grab vor: Forschende um Tuija Kirkinen von Universität Helsinki hatten unter dem Mikroskop nur wenige Millimeter große Fragmente analysiert, die sie für die Reste von Vogelfedern hielten. Dabei müsste es sich um sogenannte Bogen- und Hakenstrahlen handeln, da nur diese Komponenten im Boden erhalten bleiben, wie das Team erklärt. Diese sitzen an den Ästen, die seitlich vom Federkiel abgehen und sorgen durch gegenseitiges Verhaken für die Festigkeit der Feder. Kirkinen und ihre Kollegen stellten nun fest: Es handelt sich bei den Relikten tatsächlich um Bogen- und Hakenstrahlen von Federn, darunter Gänsefedern aus dem Kopfbereich des Grabes. Damit bestätigen die Analysen die bestehenden Vermutungen, wonach die Schamanin unter anderem mit einem Kopfschmuck aus Geweih und Federn bestattet wurde.

Doch die Ausgrabungen förderten noch mehr zutage: Direkt neben dem Grab der Schamanin fanden die Archäologen eine weitere Grube, in der zwei aus Hirschgeweihen hergestellte Masken lagen. Diese Gegenstände wurden dort offenbar rund 600 Jahre nach der Bestattung der Frau abgelegt. Die Forschenden schließen daraus, dass die Schamanin so bedeutend war, dass Menschen noch Jahrhunderte nach ihrem Tod wertvolle Gaben an ihrem gut markierten Grab niederlegten. Die Mikroskop-Untersuchungen enthüllten nun, dass auch diese Masken einst mit Federn bestückt waren. Diese stammen von Singvögeln aus der Familie der Sperlingsvögel und der Hühnerartigen, zu denen etwa Auerhuhn, Birkhuhn und Moorschneehuhn gehören. An einer der beiden Masken fanden die Archäologen zudem einen Rest von Bastfasern. Das legt nahe, dass die Hirschgeweihe einst in aufwändiger Handwerkskunst zu federgeschmückten Masken verarbeitet wurden.

Sonderausstellung zeigt Religion der Mittelsteinzeit

Die Erkenntnisse der Ausgrabungen und Analysen können Besucher ab März 2026 in der Sonderausstellung „Die Schamanin“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle besichtigen. Diese soll veranschaulichen, wie Menschen zur Mittelsteinzeit in Mitteleuropa lebten, und versammelt dafür ausgeliehene Exponate aus verschiedenen Ländern aus dieser Epoche. Die Schau zeichnet dabei auch die Anfänge von Religion und Spiritualität nach, für die die Schamanin das imposanteste Beispiel ist.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte; Fachartikel: Tuija Kirkinen, Tagung S-A Band 33, ISBN-10: ‎ 3948618992, Seiten 159 bis 169

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