Wer zu Konzilszeiten von italienischem Boden aus die Reise an den Bodensee antrat, der mochte mit gemischten Gefühlen nach Norden blicken. Nicht nur barg der beschwerliche Weg über die Alpen zahllose Gefahren. Größer noch war das Risiko, im Trubel des konziliaren Entscheidungsprozesses politisch unter die Räder zu geraten. So jedenfalls schätzte Papst Johannes XXIII. die Lage ein, als er im Spätherbst des Jahres 1414 über den verschneiten Arlberg fuhr. Sein Wagen verlor auf der Passstraße den Halt, und mit ihm stürzte der Pontifex zu Boden. Über das schlechte Vorzeichen bestürzt, soll er seinen herbeieilenden Höflingen zugerufen haben: „Hier liege ich in des Teufels Namen.“
Sein Sekretär Leonardo Bruni (um 1369 – 1441), der seinem Herrn einige Wochen später auf derselben Route folgen sollte, sah der deutschen Stadt Konstanz gleichfalls mit sichtlicher Skepsis entgegen. Jenseits des Alpenhauptkamms wähnte er eine Welt blindwütiger Barbarei. Die „rohen Sitten“ der Deutschen schienen ihm bereits in den Gebirgsbächen gegenwärtig, die ihm von Norden her ungestüm entgegenströmten. Kaum aber hatte er das Bergmassiv voll „Schrecken und heiliger Scheu“ hinter sich gelassen, öffnete sich ihm ein atemberaubendes Panorama von paradiesischer Schönheit. Das kristallklar glitzernde Wasser des Bodensees entlockte ihm ebenso Elogen des Entzückens wie das schmucke Städtchen an seinem Ende. Mit seinen 6000 bis 8000 Einwohnern, den seit dem großen Stadtbrand von 1398 zahlreich neu errichteten Gebäuden und der hölzernen Rheinbrücke erschien ihm Konstanz „nicht groß, aber prächtig und wohlgestalt“. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 02/2014.
Prof. Dr. Jan Keupp





