Eigentlich handelt es sich bei der Bildgattung Genre um einen Anachronismus, da der Begriff aus dem 18. Jahrhundert stammt. Auch ist er in keiner Weise scharf definiert. Gerne zitiert wird Albert Blankerts Definition, ein Genregemälde sei ein Stück, in dem menschliche Figuren gezeigt werden, die anonym sind und dies auch sein sollen. Dem Begriff eignet also eine Anpassungsfähigkeit, die ihn für den Teilkatalog einer Sammlung besonders nützlich macht. Wie in seinem ursprünglichen Gebrauch darf hier alles eingeordnet werden, was nicht unter die thematischen Gattungen Historie, Landschaft, Porträt, Stillleben aufgenommen wurde oder werden soll.
Dadurch besitzt dieser Teilbestand unter den Werken der niederländischen Gemälde eine besondere Variationsbreite der Themen und eine außerordentliche Attraktivität. Pieter Codde zeigt beispielsweise ein bürgerliches Interieur mit einer musikalischen Gesellschaft, die kaum eine Handlung erkennen lässt, wo es also um die Schilderung (idealisierter) sozialer Vorstellungen geht. Dagegen ist im Gemälde von Jan Steen, dem großen Geschichtenerzähler, eine sorgfältig ausgebreitete Handlung um die Liebeskranke abzulesen – auch dies ein bürgerliches Interieur. Schon in so benachbarten Bildern also ist eine große Vielfalt zu finden, noch viel mehr aber in Bauernschenken, einzelnen Musikantenfiguren, Fischverkäufern am Strand, Reitergefechten, Charakterköpfen etc.
Mit deutlich über 100 Werken ist die Gattung in Schwerin so umfangreich vertreten, dass wohl die meisten Stücke des Kataloges zuvor noch nie in Abbildung publiziert worden sind. Der letzte kritische Katalog ist derjenige von Friedrich Schlie 1882, so dass sämtliche Zuschreibungen überprüft und zahlreiche korrigiert werden müssen. Insofern ist der Katalog zur Ausstellung zugleich ein Beitrag zur Forschung auf diesem Gebiet.





