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Schicksalswahl
Geschichte & Archäologie

Schicksalswahl

Vordergründig galt das Jahr 1925 lange Zeit nicht als ein Schicksalsjahr deutscher Geschichte, markierte es doch eher die beginnende Phase relativer Stabilität der Weimarer Republik. Dabei bildet die Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten einen historischen Wendepunkt, dessen sich der Historiker Wolfgang…
25. August 2025
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Es mag erstaunen, dass Hindenburg bei der Kandidatensuche im konservativen Lager („Reichsblock“) vor dem ersten Wahlgang am 29. März kaum eine Rolle spielte. Überhaupt erwies sich die Kür eines bürgerlichen Sammelkandidaten als überaus schwierig, sodass schließlich mit Karl Jarres (DVP) ein Kandidat ins Rennen ging, der nur von einem Teil des rechten Lagers Unterstützung erfuhr. Auf das gute Abschneiden der drei republikanischen Parteien SPD, Zentrum und DDP, deren Kandidaten zusammen über 49 Prozent der Stimmen erreichten, reagierte das rechte Lager alarmiert. Kurzerhand zog es Jarres, der über 38 Prozent geholt hatte, als Bewerber zurück und nominierte Hindenburg als „Joker“-Kandidaten, was das damalige Wahlgesetz absurderweise ermöglichte. So geriet der zweite Wahlgang am 26. April faktisch zur Stichwahl zwischen Hindenburg und dem von den prorepublikanischen Parteien („Volksblock“) nominierten ehemaligen Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum).

Eindrücklich schildert Niess die anachronistisch anmutenden Umstände, unter denen der knapp dreiwöchige Wahlkampf stattfand. Während Marx eine ausgedehnte Wahlkampfreise absolvierte, beschränkte sich Hindenburg auf einen einzigen Auftritt in seiner Wahlheimat Hannover. In seiner Kampagne ging es laut Niess „um Symbolik, nicht um Substanz“ – wie schon als Feldherr im Ersten Weltkrieg wirkte Hindenburg weniger durch Aktivitäten als vielmehr „durch sein bloßes Da-Sein, als Repräsentationsfigur“.

Zutreffend analysiert Niess die Gründe für Hindenburgs knappen Wahlsieg mit 48,3 Prozent gegenüber Marx mit 45,3 Prozent: Nicht nur der aussichtslose Wiederantritt von KPD-Kandidat Ernst Thälmann (6,4 Prozent), sondern vor allem die Wahlempfehlung der Bayerischen Volkspartei habe den Ausschlag gegeben. Trotz der Hoffnungen gemäßigter Kräfte im Zuge von Hindenburgs Vereidigung auf eine Versöhnung der Konservativen mit der Republik wandelte sich der Reichspräsident nicht zum Demokraten. Vielmehr nutzte er 1930 die erste sich ihm bietende Gelegenheit „zielstrebig zur Errichtung eines Präsidialkabinetts und zur Zerstörung der parlamentarischen Demokratie“.

Das gründlich recherchierte wie sprachlich ansprechende Werk von Niess scheint angesichts der politischen Großwetterlage eine überaus empfehlenswerte Lektüre. Einziges Manko ist das Fehlen von statistischen Übersichten zu den beiden Wahlgängen im Anhang, auch Karten zu Wahlkreisergebnissen und Abbildungen von Wahlplakaten sind leider nicht enthalten.

Rezension: Dr. Marcel Böhles

Wolfgang Niess
Schicksalsjahr 1925
Als Hindenburg Präsident wurde
Verlag C. H. Beck, München 2025, 304 Seiten, € 28,–

HindenburgMarxNieß

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