Bis vor einigen Jahren galt die europäische Bronzezeit als eine weitgehend friedliche Epoche, in der die Menschen vorwiegend Handel trieben, es aber noch keine großen Schlachten gab – zumindest nicht nördlich der Alpen. Doch die Funde im Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern haben dieses Bild drastisch gewandelt. Entlang des gleichnamigen Flusses entdeckten Archäologen mehr als 12.000 menschliche Gebeine von mindestens 150 Individuen, viele von diesen wiesen schwere Verletzungen auf. Auch viele Waffen wurden gefunden, darunter hölzerne Keulen, Speerspitzen, ein Schwert, Bronzemesser sowie mehrere Dutzend Pfeilspitzen aus Feuerstein und Bronze.
Woher kamen die Kämpfer?
Zusammen sprechen diese Funde dafür, dass entlang der Tollense etwa um das Jahr 1250 vor Christus ein Kampf mit hunderten Beteiligten stattgefunden haben muss. “Der große Anteil junger Männer unter den Skelettfunden sowie die zahlreichen Belege für perimortale Traumata stützen den Zusammenhang mit Konflikt und Gewalt”, erklären Leif Inselmann von der Freien Universität Berlin und seine Kollegen. Doch das Ausmaß dieses Kampfes und sein Grund sind bisher offen. Ebenso ungeklärt ist, woher die beiden Kriegsparteien kamen: War der Kampf ein lokaler Konflikt zwischen zwei benachbarten Stämmen? Oder kamen einige dieser Kämpfer aus weiter entfernten Volksgruppen? Bisherige DNA-Analysen konnte hierüber keine Klarheit schaffen.
Deshalb haben Inselmann und sein Team nun einen anderen Ansatz gewählt: Sie schauten sich die auf dem Schlachtfeld gefundenen Pfeilspitzen genauer an. Insgesamt wurden entlang der Tollense 54 Pfeilspitzen aus Bronze und zehn Spitzen aus Feuerstein entdeckt, weitere acht Bronzespitzen wurden aus dem Sediment des Flusses geborgen. Dabei zeigen die verschiedenen Spitzen deutliche Unterschiede in ihrer Form und Machart, wie die Archäologen berichten. Durch Vergleiche mit Pfeilspitzen, die anderswo in Europa in Gräbern oder an sonstigen Fundstätten geborgen wurden, ermittelten sie die mögliche Herkunft dieser Waffen.

Pfeilspitzen aus dem südlichen Mitteleuropa
Die Vergleiche ergaben: Die steinernen Pfeilspitzen waren höchstwahrscheinlich lokaler Herkunft. “Solche Feuerstein-Spitzen sind typisch für die nordische Bronzezeit von Niedersachsen im Westen bis Polen im Osten”, berichten Inselmann und seine Kollegen. Diese Waffen wurden demnach vermutlich von den in dieser Gegend lebenden Kämpfern eingesetzt. “Im Gegensatz dazu sind Bronze-Pfeilspitzen in der frühen nordischen Bronzezeit fast unbekannt”, so die Archäologen weiter. Allerdings gab es einige vereinzelte Funde von Bronzespitzen mit spitz zulaufender Basis auch im südlichen Mecklenburg und in Brandenburg. Das Tollensetal könnte daher die nördliche Verbreitungsgrenze dieses Pfeilspitzentyps darstellen.





