„Sehr beunruhigt wegen der Vergangenheit: Deutscher…“, notierte der niederländische Ministerpräsident Jo Cals Anfang Mai 1965 in seinem Tagebuch, nachdem Königin Juliana ihn darüber informiert hatte, daß Prinzessin Beatrix eine Romanze mit einem Deutschen hatte. Namen und Hintergrund des Geliebten kannte Cals in diesem Moment noch nicht, aber allein die Nationalität ließ ihn das Schlimmste befürchten. Einige Tage später erschien in einer niederländischen Tageszeitung ein heimlich gemachtes Foto der Prinzessin Arm in Arm mit einem unbekannten Mann. Kurz darauf stellte sich heraus: Der Geliebte der Kronprinzessin hieß Claus von Amsberg, war 1926 geboren und ein deutscher Diplomat.
Die ungute Vorahnung von Ministerpräsident Cals sollte sich anfänglich bewahrheiten. Die linke Wochenzeitung „De Groene Amsterdammer“ reagierte sofort und fand den Gedanken „unerträglich“, daß ein Deutscher Prinz der Niederlande werden sollte. Die sozialdemokratische Tageszeitung „Het Vrije Volk“ machte ihrem großen Unbehagen Luft, „das zwar überdeckt, aber nicht besiegt werden kann. Höchstens im Lauf der Zeit“. „Het Parool“, während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg als Widerstandszeitung gegründet, meinte in einem Leitartikel, daß von Amsberg „gerade zu alt“ sei, um der Nachkriegsgeneration „ohne Schuld“ zugerechnet werden zu können, und dies disqualifiziere ihn als Ehemann der zukünftigen Königin. Aus Kreisen des ehemaligen Widerstands kamen unterschiedliche Äußerungen. Ein Teil der Widerstandskämpfer distanzierte sich von der Kritik an einer eventuellen Verlobung und gab eine Erklärung ab, in der es hieß, eine Diskriminierung aufgrund der Nationalität passe nicht zum Geist des früheren Widerstands. Andere hingegen sprachen sich mit emotionalen Worten gegen eine Hochzeit aus: „Für uns ist es ein unerträglicher Gedanke, daß Prinzessin Beatrix einen Schritt zu tun beabsichtigt, der sie bald gemeinsam mit einem Deutschen, der in der Zeit unserer größten nationalen Not mit erhobenem Arm dastand und ‚Heil Hitler‘ rief, zu den Gedenkversammlungen für unsere Toten führen wird“…
Prof. Dr. Friso Wielenga





