Im Herbst 2010 jährt sich zum 200. Mal die Aufhebung der Klöster und Stifte im preußischen Teil Schlesiens. Dieses Ereignis führte im religiösen und kulturellen Leben Schlesiens zu einem großen Umbruch. Das ist Anlass für das Oberschlesische Landesmuseum, dieses Thema erstmals in einer großen Sonderausstellung mit bedeutsamen Leihgaben zu behandeln.
Schlesien kann als eine Klosterlandschaft gesehen werden. Die Ordensgemeinschaften haben dort das christliche Leben, die Kultur und die Landesentwicklung seit dem 12. Jahrhundert maßgeblich geprägt. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Klosterwelt mehrmals entscheidende Brüche und Neuanfänge. Wichtige Zäsuren in der Geschichte waren die Reformation, die Klosteraufhebungen im habsburgischen Bereich (1782/83) und in den preußischen Landesteilen (1810) sowie die beiden Weltkriege mit ihren Folgen.
Eine bedeutende kulturelle Blüte erlebten die Klöster in der Zeit des Barocks. Damals richtete sich die gesamte katholische Kirche nach der Reformation neu aus. Diese Entwicklung war in der Kunst und im Glaubensleben (etwa im gezielt verbreiteten Heiligenkult) sichtbar. Die schlesischen Klostermaler nehmen Bezug auf die Kunst des deutschsprachigen Raumes, besonders Böhmens und Österreichs. Sie ließen sich aber auch von den Werken niederländischer und italienischer Meister beeinflussen. Der bekannteste damals in Schlesien wirkende Maler war Michael Willmann (1630-1706). Die Gemälde des „schlesischen Rembrandt” schmücken bis heute Sakralbauten in Schlesien.
Mit dem preußischen Säkularisationsedikt vom 30. Oktober 1810 endete das meist jahrhundertelange Wirken von rund 70 Abteien. Die entscheidende Rolle kam dabei dem staatlichen Beauftragten Johann Büsching (1783-1829) zu. Er reiste 1810 bis 1812 durch Schlesien. Aus seiner Sicht maßgebliche Archivalien, Druckschriften und Kunstwerke ließ er nach Breslau transportieren. Daraus wurden die zentralen Sammlungen von Archiven, Bibliotheken und Museen gebildet.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden in Schlesien neue Ordensgemeinschaften, insbesondere mit karitativen Aufgaben und als Schulorden. Die beiden Weltkriege und die unmittelbare Nachkriegszeit veränderten im 20. Jahrhundert das Klosterleben nochmals erheblich.
Die Aufhebung der Klöster (Säkularisation) hängt mit der seither fortschreitenden Verweltlichung der Gesellschaft (Säkularisierung) zusammen. Das wirkt sich auf unsere heutige Gesellschaft aus. Neben historischen bzw. kunsthistorischen Einheiten werden somit die christlichen Wurzeln in der mitteleuropäischen Entwicklung am Beispiel Schlesiens deutlich. Die Ausstellung will auch einen Beitrag leisten zur Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln in der mitteleuropäischen Geschichte am Beispiel Schlesiens.





