Seit dem späten Mittelalter wird in Schlesien Glas hergestellt. Der Durchbruch kam am Ende des 17. Jahrhunderts. Damals lösten Schlesien und Böhmen Venedig als führendes Glaszentrum Europas ab. Dabei gab es lange Zeit eine Art Aufgabenteilung: Vielfalt und Masse des Angebots kamen aus Böhmen, während auf der schlesischen Seite des Riesengebirges, im Hirschberger Tal mit dem wichtigsten Standort Warmbrunn, die feinsten Arbeiten im Bereich der Gravur entstanden.
Die ältesten Gläser der Sammlung Zoedler stammen aus dem späten 17. Jahrhundert. Einige Exemplare sind Friedrich Winter und seiner Werkstatt zuzuweisen, dem bedeutendsten schlesischen Glasschneider in dieser frühen Epoche. Seine besten Gläser sind im Hochschnitt gearbeitet: aus der starken Wandung eines Glases wird der Dekor im Relief herausgearbeitet, indem das umgebende Material Schicht für Schicht durch Schliff und Gravur abgetragen wird. Nur wenige dieser Inkunabeln des schlesischen Glases haben sich erhalten.
Die Sammlung umfasst mehrere Gläser aus der Mitte des 18. Jahrhundert, der „klassischen Epoche“ der schlesischen Glasmacherkunst. Detailreiche und feinteilige Darstellungen – Landschaftspanoramen, Stadtveduten und Schlachtenbilder – waren damals ihre Markenzeichen. Im frühen 19. Jahrhundert bildete sich der Typus des Bäder- und Souvenirglases aus. Die meist kleinformatigen Becher dienten der Erinnerung an Freunde und Verwandte, an Reisen und Kuraufenthalte. Auch diese Epoche ist in der Sammlung gut vertreten. Aus der großen Zahl von Ansichtengläsern des 19. Jahrhunderts ragen einige aufwendig gestaltete Stücke hervor, meist in der repräsentativen Form von Pokalen. Die Gefäßkörper sind mit mehreren unterschiedlichen Schlifftechniken dekoriert. Manche sind bemalt. Selten und wertvoll sind Gläser in Transparentmalerei, eine Technik, die aus der Porzellanmalerei stammt. Die Sammlung Zoedler enthält zwei der schönsten in dieser Art dekorierten Gläser.





