Das Augustinermuseum in Freiburg hat sich seit seiner Neueröffnung im Frühjahr 2010 zum Publikumsmagneten entwickelt. Zu Recht: Die neugestaltete Schausammlung im ehemaligen Augustinereremitenkloster besticht durch ihre hochwertige Kunst aus acht Jahrhunderten (vorwiegend des Oberrheins) sowie eine durchdachte Ausstellungsarchitektur. Sie scheut einerseits nicht eine gewisse Kirchenatmosphäre, sorgt aber zudem durch die sehr rhythmische Anordnung von Skulpturen und Gemälden – darunter Cranachs, Grünewalds und Baldung-Griens – für immer neue Perspektiven und immenses Schauvergnügen. Der Blick saugt sich fest am Defilee der Apostelfürsten vom Freiburger Münster, gleitet nach oben zu den Scheinwasserspeiern, etwa der Allegorie des Zorns: Mann rauft sich die Haare, oder der Unkeuschheit: Frau greift sich lasziv an die Brust, wechselt zu den Tafelbildern …
Ein zweiter licht gehaltener Raum ist dem Barock gewidmet. Begeisternd wirkt hier unter anderem eine friesartige Vitrine mit Kleinkunst, an der man sich nicht sattsehen kann; die Plastiken Johann Christian Wentzingers (1710–1797) bieten einen Vorgeschmack auf die große Ausstellung zu Ehren dieses Künstlers, die in Freiburg vom 27. November 2010 an gezeigt wird. Besonders hervorzuheben sind ferner die Kirchenglasfenster, deren herausragende Qualität der Besucher dank einer Präsentation bewundern kann, die ein Betrachten aus der Distanz wie aus nächster Nähe erlaubt: Der Besucher erlebt diese Kunst so als aufregend neu.





