Im Jahr 1887 wurde der Wagen von der Heidelberger Waggonfabrik Fuchs gebaut, Auftraggeber war die Badische Staatsbahn. Insgesamt 177 Exemplare dieses Waggon-Typs mit der Bezeichnung Ci 87 wurden gefertigt und waren in Baden im Einsatz – jedoch: „Der Waggon Nr. 7963 ist der letzte dieses Typs, der noch existiert. Ein echter Glücksfall für das TECHNOSEUM“, so Sammlungsleiter Dr. Thomas Kosche. „Der Wagen wurde in Baden gebaut und war hier im Einsatz, daher passt er gut in unsere Sammlungen zur südwestdeutschen Geschichte – und von der Entstehungszeit zur württembergischen T3-Dampflokomotive ‚Eschenau’, die den Wagen ziehen wird.“ Bis in die 1920er Jahre versah der 3. Klasse-Personenwagen seinen Dienst, meist auf Nebenstrecken und für Lokalzüge – unter anderem zwischen Hausach und Offenburg, Mosbach und Neckarelz oder auch zwischen Heidelberg und Mannheim. TECHNOSEUM-Konservator Dr. Hartmut Knittel: „Schon in der aktiven Zeit des Wagens wurden Modernisierungen vorgenommen, etwa die Öllampen durch eine Gasbeleuchtung ersetzt oder die Handbremse, die eigens von einem Bremser in jedem einzelnen Waggon bedient werden musste, gegen eine Druckluftbremse der Bauart „Westinghouse“ ausgetauscht.“
In den 1930er Jahren wurde der Waggon schließlich ausgemustert und war von da an als Bahndienstwagen, ab den 1950er Jahren als Bahnhofwagen im Einsatz – das heißt, er diente vor allem als Aufenthaltsraum für Bahnarbeiter oder Lager. Eine regelmäßige Pflege und Instandhaltung fand nicht statt, so dass der Waggon zusehends verfiel. Ein Feuer, verursacht durch einen nachträglich eingebauten Ofen, schadete der Substanz weiter. Rekonstruktion einer wechselvollen Geschichte Als der Waggon Anfang 2008 zum TECHNOSEUM transportiert wurde, war sein Zustand wahrlich beklagenswert. „Unser Ziel war die Wiederherstellung des Wagens, wie er um 1910 herum ausgesehen haben mag – von den Inschriften am Fahrgestell und im Innenraum über die gedrechselten Füße unter den Sitzbänken bis hin zu den Lüftungsklappen über den Fenstern“, sagt Günther Theis, Restaurator am TECHNOSEUM und hauptamtlich zuständig für die Umsetzung der Waggonrestaurierung. Mit Lackschicht- und Farbanalysen konnten die unterschiedlichen Anstriche rekonstruiert werden, mit denen der Waggon im Laufe der Jahrzehnte versehen wurde. Noch zahlreiche weitere Details gab der Waggon nach und nach preis, etwa die Fahrkarte nach Kirchheim für 1,20 Reichsmark aus der Zeit vor der Währungsreform, die in den Spalt zwischen Fenster und Waggonwand gerutscht war. Oder die Einschusslöcher am Fahrgestell, von denen anzunehmen ist, dass sie von einem Tiefflieger-Angriff während des Zweiten Weltkriegs stammen. Bei der Rekonstruktion der Sitzbänke half nicht zuletzt eine Tragödie aus dem Jahr 1900: Am Heidelberger Karlstor hatte sich ein Zugunglück ereignet, neun Menschen starben, ein Personenwaggon vom Typ Ci 87 war der Länge nach aufgeschlitzt worden. Die Fotos dieses Unfalls, die im Heidelberger Stadtarchiv verwahrt werden, gewährten aufschlussreiche Einblicke in das Innenleben des Wagens, das mit allen Einzelheiten so auf keiner technischen Zeichnung vermerkt war.





