Gerade die älteren Besucher finden viele Exponate, die sie noch von zu Hause kennen, von der „Kochkiste“ über das Waschgestell bis zum repräsentativen Wohnzimmer mit wilhelminischen Schrankungetümen. Zentrum der technischen Neuerungen aber war die „weiße“ Küche (ohne qualmendes Herdfeuer). Andere Küchengeräte, beheizbare Dampf- und Waschkessel oder Bügeleisen zeugen davon, wie die Industrialisierung die Haushaltsführung wesentlich erleichterte. Mit Knorr und Maggi, den ersten Halbfertigprodukten, wurde auch das Kochen leichter gemacht. Daneben sah sich die bürgerliche Hausfrau aber auch mit neuen Ansprüchen, gerade in den Bereichen Sauberkeit und Hygiene, konfrontiert. Sehr gut werden diese und andere Anforderungen in der Ausstellung durch an den Wänden reproduzierte Zitate aus Haushaltsbüchern veranschaulicht. Deutlich wird aber auch, dass die vielfältigen Arbeiten im Haushalt nicht ohne Dienstmädchen zu denken waren; dementsprechend geizten die Ratgeber nicht mit Ratschlägen zum richtigen Umgang mit dem Personal. Dankenswerter Weise kontrastiert die Schau diese Perspektive mit Auszügen aus Selbstzeugnissen von Dienstboten.
Mit der hygienischen und technisierten Haushaltsführung grenzte sich das Bürgertum übrigens von der der bäuerlich-ländlichen Familie ab, wie die Farblithografien aus Eduard Walters „Bilder zum Anschauungsunterricht für die Jugend“ von 1890 anschaulich zeigen. Abgrenzungen spielten aber auch in anderer Hinsicht ein Rolle: Die Arbeiterfamilie lebte noch lange ohne die Errungenschaften des Fortschritts. Vertiefende und weitergehende Fragestellungen thematisiert der empfehlenswerte Katalog.





