Japans Selbstisolierung geht auf das Jahr 1639 zurück. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren die Inseln unter der Herrschaft der Familie Tokugawa geeint und einem System strikter Kontrolle unterworfen worden. Als bedrohlich empfand man den Einfluss katholischer Missionare, die seit 1549 in Japan tätig waren. Ein Aufstand christlicher Bauern und Samurai diente als Anlass, das Christentum aus dem Land zu verbannen. Alle bekehrten Japaner mussten ihrem Glauben abschwören oder das Martyrium erleiden. Mehr als 280000 Christen fielen den Verfolgungen zum Opfer. Kontakte mit dem Ausland waren untersagt, Zuwiderhandlungen wurden mit dem Tod bestraft. Sogar Schiffbrüchige – Ausländer, die es nach Japan verschlug, oder japanische Seeleute, die an fremde Küsten getrieben wurden und zurückkehren wollten – mussten mit härtesten Strafen rechnen.
Tokugawa-Japan wollte einen von anderen Nationen gesonderten Weg gehen und verzichtete sogar auf die weitere Entwicklung von Feuerwaffen, deren Technologie aus Europa importiert und in den Bürgerkriegen des 16. Jahrhunderts begierig aufgegriffen worden war. Es war der einmalige Fall, dass eine hochgerüstete Militärmacht eine überlegene Technologie aufgab und zu einer traditionellen Waffe, dem Samuraischwert, zurückkehrte. Während in Europa und Nordamerika moderne Staaten mit leistungsfähigen Bürokratien und schlagkräftigen Armeen entstanden, verharrte Japan in einem Zustand feudaler Erstarrung: Der Tenno residierte in der alten Kaiserstadt Kyoto, besaß aber nur symbolische und zeremonielle Bedeutung. Die eigentliche Regierungsgewalt lag beim Shogun in Edo (dem heutigen Tokio), der eine zentrale militärische Behörde, das bakufu, mit den Regierungsgeschäften beauftragte und regionale Fürsten, die daimyo, mit ihren Ämtern belehnte. Die Angehörigen des Schwertadels, die Samurai, wurden zu verschiedensten Aufgaben herangezogen und trugen Militär‧wesen wie Verwaltung.
Allerdings war die Abschließung Japans nie hermetisch. Korea schickte Gesandte, chinesische Kaufleute durften auf Kyushu Handel treiben, und einige Holländer, Vertreter der Vereinigten Ostindischen Kompanie, wurden auf einer winzigen, künstlich aufgeschütteten Insel im Hafen von Nagasaki interniert, um die nützliche Verbindung zu einer europäischen Macht aufrechtzuerhalten. Sie verkehrten mit ein paar privilegierten Kaufleuten und Huren und fühlten sich kreuzunglücklich, waren aber für zwei Jahrhunderte die einzigen Europäer, die ein wenig Einblick in das verschlossene Land nehmen konnten. Ihre Berichte hielten die Erinnerung an ein Inselreich am östlichen Rand Asiens wach, dem man Macht und Reichtümer nachsagte.
Als die europäischen Kolonialmächte nach Ostasien ausgriffen, kam auch Japan in ihren Blick. Besonders England und Russland hatten Interesse an seiner Öffnung, wurden aber regelmäßig auf die bestehenden Gesetze verwiesen. Auch die USA konnten zunächst nichts erreichen. Boten aus Washington wurden höflich abgewimmelt und nach Nagasaki geschickt. Erst das entschiedene Auf-treten des Commodore Perry hatte Erfolg.





