In der Puppentheatersammlung im Sächsischen Volkskunstmuseum (Köpckestraße 1, Dresden) kann man noch bis zum 18. April 2010 nachvollziehen, wie der Anarchist, Raufbold und Faulpelz, mit dessen lustigen Streichen sich das Publikum identifizieren konnte, zum NS-Sprachrohr und Truppenbetreuer (mit begradigter Nase!), später zum Erzieher der Kinder und in der DDR zum Verbündeten der Opposition mutierte. Die Gruppe „Zinnober“ hatte 1982 als erste freie Theatergruppe der DDR mit dem Stück „Die Jäger des verlorenen Verstandes“ eine politisch brisante Inszenierung auf die Bühne gebracht. Dabei war zu Beginn in der DDR zunächst kein Platz für Kasper, bis seine „prole‧tarischen Wurzeln“ entdeckt wurden.
Im Zentrum der Ausstellung mit Exponaten aus 150 Jahren steht die sächsische Puppentheater-Tradition, daneben geben sich Kaspers Kollegen aus anderen Regionen und Ländern die Ehre. Gezeigt werden auch an der Ostfront des Ersten Weltkriegs von Soldaten selbstgefertigte Puppen, der Kasper der Wandervogel-Bewegung (ohne Stock!) oder der Paradekasper des Dresdner Puppenspielers Alfred Treuner, dessen Rufe aus beweglichem Mund die Zuschauer anlocken sollten.





