Exakt am 10. Mai 1940, an dem Tag, als Hitler Frankreich angreifen ließ, beauftragte König Georg VI. Winston Churchill mit der Regierungsbildung. Entschlossen und unbeirrt führte der Konservative sein Land durch den Zweiten Weltkrieg – und zum Sieg.
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Jeder normale Mensch hätte Winston Churchill um seinen Lebensstil in den 1930er Jahren beneidet, in denen Millionen unter den Nachwirkungen der Großen Depression litten. Er hatte einen sicheren Sitz im Unterhaus und hielt zahlreiche weithin beachtete Reden. Sein neues literarisches Monumentalwerk, eine auf vier Bände angelegte Biographie seines illustren Vorfahren John Churchill, des ersten Duke of Marlborough (Oberbefehlshaber der im Spanischen Erbfolgekrieg gegen das Frankreich Ludwigs XIV. kämpfenden Alliierten), entstand und wurde ein Erfolg.
Und vor allem war ihm ein idyllisches Landleben auf Chartwell beschieden, das sein Biograph Sebastian Haffner so skizzierte: „Er pflanzte Bäume, legte Zierteiche an, fütterte Goldfische, züchtete exotische Schmetterlingssorten, reiste, malte. Seine Kinder, ein Sohn und drei Töchter, waren heranwachsende junge Leute in diesen Jahren, und er fand Zeit, ihnen ein interessierter, weitherziger und gewissenhafter, allerdings auch etwas überwältigender Vater zu sein … Er empfing viel Besuch, politisierte mit Freunden und Fremden bis tief in die Nächte hinein, redete mehr, als er zuhörte, trank manchmal mehr, als ihm guttat, und rauchte unzählige überschwere Havanna-Zigarren.“
Für den machtbewussten Politiker ist das idyllische Landleben eine Hölle
Haffner nennt dieses Leben dennoch die „Churchillhölle“. Denn Churchill fehlte Einfluss, ihm fehlte die Macht oder zumindest die Teilhabe an derselben, wie er sie am Kabinettstisch genossen hatte – und deren Rausch er erlegen war. Die Bücher des Autors Churchill wurden gelobt und gekauft; der Politiker Churchill galt indes, wenn nicht als Ausgestoßener, so doch als Mann von gestern.
Dann, als es scheinbar nicht mehr schlimmer werden konnte, setzte er sinnbildlich auf das falsche Pferd: Edward Prince of Wales, zu dem Churchill über viele Jahre freundschaftliche Beziehungen gepflegt hatte, wurde im Januar 1936 mit dem Tod seines Vaters Georg V. zum König Eduard VIII. Ihm waren jedoch nur elf Monate auf dem Thron beschieden. Sogar die Krönung blieb ihm versagt, da er darauf bestand, seine Geliebte, die zweifach geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson, zu heiraten.
Dies löste in den ersten Dezembertagen 1936 eine schwere Verfassungskrise aus. Churchill vertrat die Auffassung, dass es Eduard, der seine Beziehung zu Mrs. Simpson deutlich erkennbar über seine konstitutionellen Pflichten stellte, erlaubt sein solle, seine Geliebte zu heiraten. Dies war (nach damaliger Interpretation) allerdings nicht mit Eduards Rolle als Oberhaupt der Church of England zu vereinbaren.
In dieser Frage hatte Churchill für kurze Zeit eigenartige Verbündete, denen sonst seine Aversion galt: die Kommunistische Partei und die British Union of Fascists. Praktisch das gesamte Establishment, mehrheitlich das Kabinett, natürlich der Erzbischof von Canterbury und Teile der Presse mit der „Times“ als Vorreiterin wandten sich gegen Eduard und eine mögliche Queen Wallis. Am 10. Dezember trat Eduard zurück und führte von nun an zusammen mit Wallis als Duke and Duchess of Windsor ein Leben im Exil.
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Sein jüngerer Bruder bestieg als Georg VI. den Thron und hegte zunächst ausgeprägte Vorbehalte gegen Churchill. Diese sollten im Krieg schwinden; der Monarch und sein Premier wurden enge Vertraute.
Dass Churchill trotz dieser Ausgangslage schon bald für das höchste Regierungsamt in Erwägung gezogen wurde, lag daran, dass er der erste, der eloquenteste und der bestinformierte führende britische Politiker war, der vor der Gefahr warnte, die von Adolf Hitler, seiner Bewegung und, nach der „Machtergreifung“, von seinem Regime ausging. In einem Artikel für eine Zeitschrift hatte er 1935 noch mehrere Optionen gesehen: Es sei Hitlers Wahl, „ob er in Walhalla mit Perikles, mit Augustus und mit Washington gleichgestellt ist oder ob er mit Attila und Tamerlan im Inferno menschlicher Verachtung versinken wird“.
Zunächst hörte man ihm nicht zu, dann – nach der Rheinlandbesetzung (1936) und dem Anschluss Österreichs (1938) – versuchte die Regierung, Hitler zu beschwichtigen. Das englische Wort dafür lautet appeasement und wird für immer mit dem Namen von Premierminister Neville Chamberlain (1937–1940) verbunden sein. Das Abkommen von München vom 30. September 1938, das nach Chamberlains Worten „Frieden in unserer Zeit“ bedeuten sollte, wertete Churchill als Schmach. Seine Analyse fiel hart aus: Die britische Bevölkerung „sollte wissen, dass es grobe Vernachlässigung und Mängel in unserer Verteidigung gibt; sie sollte wissen, dass wir eine Niederlage ohne Krieg erlitten haben, deren Folgen uns noch lange begleiten werden … Und glaubt nicht, dass dies das Ende ist. Dies ist erst der Beginn der Abrechnung. Dies ist nur der erste Schluck, der erste Vorgeschmack aus einer bitteren Tasse, die uns Jahr für Jahr vorgesetzt werden wird, bevor wir, nach einer gewaltigen Erholung der moralischen Gesundheit und der Kriegstüchtigkeit, uns wieder erheben und wie in den alten Zeiten für unsere Freiheit einstehen.“
Erneut verantwortlich für Wohl und Wehe der britischen Marine
Nur ein halbes Jahr nach dem Münchener Abkommen wurde deutlich, wie recht Churchill mit seinen Mahnungen hatte, die Versprechungen Hitlers seien nichts wert. Im März 1939 kam es zur „Zerschlagung der Rest-Tschechei“, dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag. Bei einer Umfrage zwei Monate später sprachen sich 56 Prozent der Befragten für eine Rückkehr Churchills ins Kabinett aus. Dies wurde am 3. September 1939 Realität – an dem Tag, an dem Großbritannien und Frankreich nach dem Überfall auf Polen Deutschland den Krieg erklärten. Churchill wurde erneut zum First Lord of the Admiralty berufen. Und an alle Einheiten der Royal Navy ging der Funkspruch heraus: „Winston is back“.
Er ging mit nicht erlahmender Energie an die wohlbekannte Aufgabe, hatte Erfolge – dazu zählte die Ausschaltung des im Südatlantik Handelskrieg führenden deutschen Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“ (durch Selbstversenkung in Montevideo angesichts einer vermeintlichen britischen Übermacht) – ebenso wie Rückschläge zu verbuchen. Zu Letzteren gehörte die Versenkung des Schlachtschiffs „Royal Oak“ durch ein deutsches U-Boot in Scapa Flow, dem wichtigsten Stützpunkt der britischen Flotte. 833 Seeleute kamen dabei ums Leben. Aus Churchills Sicht war die Sparsamkeit der Regierung der vergangenen Jahre der Grund für dieses Fiasko: Es gebe weder genug Zerstörer noch ausreichend Torpedonetze.
Wie während seiner ersten Amtszeit in der Admiralität trug Churchill die Verantwortung für eine Operation, die zum Fehlschlag wurde – mit allerdings völlig entgegengesetzten politischen Konsequenzen für ihn selbst. Am 8. April 1940 sollte die Verminung des Hafens von Narvik (Norwegen) beginnen, von dem aus schwedisches Erz nach Deutschland transportiert wurde; die Besetzung von Teilen der neutralen Länder Norwegen und Schweden würde folgen. Die deutsche Kriegsmarine und deutsche Fallschirmjäger waren jedoch schneller, überraschten die britischen Minenleger und landeten in den Morgenstunden des 9. April in Norwegen; Dänemark wurde am gleichen Tag kampflos besetzt.
Die Kämpfe um Norwegen und vor allem um Narvik dauerten zwei Monate. Die Briten und die Kontingente verbündeter Streitkräfte aus Frankreich und Polen mussten schließlich abziehen. Zwar konnte die Royal Navy den Deutschen beträchtliche Verluste zufügen (darunter die Vernichtung der Hälfte der deutschen Zerstörerflottille), doch ließ sich dies nach dem Untergang eines britischen Flugzeugträgers, zweier Kreuzer und kleinerer Einheiten nicht als Sieg verkaufen.
Der Zorn des Parlamentes richtete sich in den heftigen Debatten vom 7. bis zum 9. Mai jedoch nicht gegen Churchill, sondern vor allem gegen Premier Chamberlain. Am eindrücklichsten war der Ausruf des konservativen Abgeordneten Leo Amery, der ein Zitat Cromwells, mit dem der Lordprotektor einst das „Lange Parlament“ auseinandergetrieben hatte, auf Chamberlain ummünzte: „Ihr habt zu lange hier gesessen, als dass ihr etwas Gutes getan hättet. Geht, sage ich, und lasst uns mit euch fertig werden. In Gottes Namen, geht!“
Eine Rede mit Nachhall: „Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“
Chamberlain ging, und Churchill wurde in den Buckingham Palace gerufen, um des Königs Aufforderung, eine Regierung zu bilden, dankend entgegenzunehmen. Es war ein Tag von welthistorischer Bedeutung, dieser 10. Mai 1940: An jenem Morgen begann die Wehrmacht ihren Westfeldzug, marschierte in die Niederlande, Belgien und Luxemburg sowie kurz darauf – zur Überraschung der alliierten Militärstrategen mit schnellen Panzerverbänden durch die von dichten Wäldern überzogenen Ardennen – auch in Frankreich ein.
Churchill war ungeachtet der dramatischen Entwicklungen ruhig und gefasst, wie er festhielt: „Endlich hatte ich die Autorität, um die Richtung über die gesamte Szene zu bestimmen. Ich fühlte, dass ich mit dem Schicksal einher gehe, dass mein gesamtes bisheriges Leben eine Vorbereitung auf diese Stunde und auf diese Prüfung war … Ich glaubte, dass ich eine ganze Menge wusste und dass ich nicht scheitern würde. Daher – obwohl dem nächsten Tag ungeduldig entgegensehend – schlief ich ruhig und bedurfte keiner aufmunternden Träume. Fakten sind besser als Träume.“
Im Einklang mit dem Schicksal? Viele hatten Zweifel an der Befähigung Churchills – Teile der Presse, Vertreter der Eliten und des Königshauses. Doch dieser bildete eine Koalitionsregierung, ein Kriegskabinett, in dem auch die Labour Party vertreten war. Und binnen Wochen wurde er zur Führungspersönlichkeit, zur Verkörperung des nationalen Widerstandswillens.
Dies lag vor allem an seinem virtuosen Gebrauch der englischen Sprache. Einige seiner Reden wurden schnell zur Legende, ihre Kernaussagen sind unvergessen – wie seine erste Rede als Premier im Unterhaus am 13. Mai, als er verkündete, dass er nichts anzubieten habe als „Blut, Mühen, Tränen und Schweiß“. Und er machte deutlich, was das Ziel aller Opfer sein werde: „Ich kann es in einem Wort sagen: es ist der Sieg, der Sieg um jeden Preis, der Sieg trotz aller Schrecken, der Sieg, wie lang und hart der Weg auch sein mag; denn ohne Sieg gibt es kein Überleben.“
Zunächst sah es nicht nach einem Sieg für die Alliierten aus. Die deutsche Wehrmacht drang unaufhaltsam vor; Frankreichs Armee, in die Churchill über Jahre so viel Vertrauen gesetzt hatte, wurde geschlagen. Das Britische Expeditionskorps (BEF) wurde in der mit Hunderten von zivilen Booten und Schiffen sowie Einheiten der Royal Navy vorgenommenen Evakuierung von Dünkirchen vor der Vernichtung und Gefangennahme gerettet. Damit war Großbritannien seit Mitte Juni 1940 auf sich allein gestellt.
Der Regierungschef ist überall dort, wo die Menschen leiden
Am 18. Juni schwor der Premierminister in einer Rundfunkansprache die Bevölkerung auf die nun zu erwartende Schlacht um Großbritannien ein: „Hitler weiß, dass er uns auf dieser Insel brechen muss oder den Krieg verlieren wird. Lasst uns daher unserer Pflicht nachkommen und uns so verhalten, dass, wenn das britische Commonwealth und Empire 1000 Jahre überdauert, die Menschen noch sagen werden: ‚Das war ihre beste Stunde‘“.
„Their finest hour“: Sie wurde in der Luft, wo sich die Battle of Britain zwischen Hurricanes und Spitfires auf der einen sowie Messerschmitt Me 109 und Heinkel He 111 auf der anderen Seite abspielte, ebenso Wirklichkeit wie am Boden, wo der Wille der Bevölkerung, den Krieg durchzustehen und zu gewinnen, auch nicht gebrochen wurde, nachdem die deutsche Luftwaffe nach schweren Verlusten seit dem 7. September zu Bombenangriffen auf London und andere Städte übergegangen war.
Den Piloten der Royal Air Force setzte Churchill ein bleibendes rhetorisches Denkmal, als er anmerkte, dass noch nie in der Geschichte von Konflikten unter Menschen so viele so wenigen so viel zu verdanken hatten. Er zeigte sich regelmäßig in Stadtteilen, in denen Bomben gefallen und Landsleute zu Tode gekommen oder obdachlos geworden waren.
Sein engster militärischer Mitarbeiter, Hastings Ismay, beschrieb die Reaktion der Menschen, wenn sie auf den Premierminister trafen: „Man hätte Abneigung gegen die Autoritäten, die für ihren Schutz verantwortlich waren, erwarten können. Aber sobald Churchill aus dem Wagen kam, umringten sie ihn. ‚Good old Winnie‘ riefen sie. ‚Wir wussten, dass Du zu uns kommst. Wir können es ertragen. Gib es ihnen zurück.‘ Churchill brach zusammen, und als ich ihn durch die Menge brachte, hörte ich eine alte Frau sagen: ‚Sieh nur, er sorgt sich wirklich um uns: er weint.‘“
Dezember 1941: Die USA treten in den Krieg ein
Ein Jahr lang stand das Vereinigte Königreich allein gegen Hitler, wenn auch mit den Ressourcen und den Verbündeten aus dem Commonwealth wie Kanada, Australien und Neuseeland. Mit Hitlers Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde plötzlich der Massenmörder Stalin zum Verbündeten der britischen Demokratie. Churchill störte sich nicht sehr daran; er hasste den Kommunismus, doch Hitler, die Nazis und den Faschismus hasste er noch viel mehr. Die wirklich große Erleichterung kam am Sonntagabend, dem 7. Dezember 1941, den die Churchills mit Gästen auf dem Landsitz der britischen Premierminister, Chequers, verbrachten. Die 21-Uhr-Abendnachrichten der BBC vermeldeten: Die Japaner hatten Pearl Harbor angegriffen.
Kurz danach klingelte das Telefon, und US-Präsident Franklin D. Roosevelt war am anderen Ende der Leitung: „Winston, wir sind jetzt alle im selben Boot.“ Auch wenn die USA erst vier Tage später durch Hitlers Kriegserklärung tatsächlich zum Verbündeten wurden, schlief Churchill noch in jener Sonntagnacht „den Schlaf des Geretteten und Dankbaren“. Churchill reiste fast umgehend in die USA, um das Band mit dem Präsidenten und der US-amerikanischen Nation zu festigen. Er verbrachte Weihnachten im Weißen Haus, hielt eine Rede vor einem begeisterten Kongress – und erlitt einen leichten Herzinfarkt, was man der Öffentlichkeit jedoch vorenthielt.
Es wurde eine enge Partnerschaft, in der allerdings angesichts des demographischen, industriellen und technologischen Potentials der USA die Briten schnell zum Juniorpartner wurden. Dies zeigte sich nicht nur in der Zahl der Flugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe (die U. S. Navy verdrängte binnen Kurzem die britische Marine aus ihrer Rolle als führende Seemacht), sondern auch bei der Strategie. Während der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 verkündete Roosevelt, die „bedingungslose Kapitulation“ Deutschlands sei das Ziel. Churchill war nicht von der Weisheit dieser Maßnahme überzeugt, musste aber zustimmen. Ähnlich verliefen weitere Konferenzen wie die von Jalta (30. Januar bis 2. Februar 1945), wo Churchill mit Schrecken erkennen musste, dass Osteuropa unter sowjetischen Einfluss und Okkupation geraten würde – auch Polen, für dessen Freiheit Großbritannien mehr als fünf Jahre zuvor in den Krieg gezogen war.
Potsdamer Konferenz: letzter Auftritt im Kreis der Großen
Nach der erfolgreichen Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 – an der Churchill persönlich teilnehmen wollte, was ihm der König verbot – befreiten britische und alliierte Truppen Westeuropa; symbolträchtig unter einem amerikanischen Oberbefehlshaber, Dwight D. Eisenhower. Am 8. Mai 1945 war es vorbei, der Zweite Weltkrieg in Europa war gewonnen.
Einem Staatsmann, der sein Land durch den schlimmsten Krieg seiner Geschichte zum Sieg führt, dürften, so steht zu erwarten, die Herzen seiner Landsleute und bei der nächsten Wahl deren Stimmen zufliegen. Es spricht zweifellos für die demokratische Reife der Menschen im Großbritannien des Jahres 1945, dass Ersteres zwar zutraf – die „Wochenschau“-Bilder von Menschenmassen, die sich am Victory in Europe Day drängeln, um Winston Churchill zuzujubeln, legen davon Zeugnis ab –, aber nicht zwangsläufig zu Zweiterem führte. Man konnte die jüngste Vergangenheit, fast sechs Jahre erbitterten Krieg, und die dankbar wahrgenommene Gegenwart von einer Zukunft unterscheiden, in der sich für das Vereinigte Königreich viel ändern musste.
Churchill hatte erwartet, den Überschwang des Siegestaumels für ein paar Wochen konservieren zu können, und die längst überfälligen Parlamentswahlen für 5. Juli anberaumt – die letzten lagen kriegsbedingt inzwischen mehr als neun Jahre zurück.
Bevor die Ergebnisse vorlagen (sie kamen am 26. Juli), entfloh er den Niederungen der Parteipolitik, um noch einmal am Rad der Weltgeschichte zu drehen. Er flog mit der britischen Delegation, zu der auch Außenminister Anthony Eden und Labour-Chef Clement Attlee gehörten, zur Konferenz von Potsdam. Unter den „Großen Drei“, die hier vom 17. Juli an die Welt und vor allem Europa neu ordnen wollten, war Großbritannien, das einst weltumspannende Empire, inzwischen deutlich die Nummer Drei. Es hatte gesiegt, doch seine Kräfte waren erschöpft. Es fehlte an vielem, vor allem an Wohnraum, an Arbeit, an Verbrauchsgütern. Und an einer Vision für die Zukunft. Neuer Premierminister wurde Clement Attlee. Er nahm Churchills Platz in Potsdam ein.
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