Bereits bei seiner ersten Orientreise 1844 wurde Tischendorf auf 129 Blätter aufmerksam, von denen er 43 zur wissenschaftlichen Untersuchung mit nach Leipzig nahm. Als Tischendorf im Jahr 1853 ein weiteres Mal das Kloster aufsuchte, waren die zurückgelassenen 86 Pergamentstücke jedoch nicht mehr aufzufinden. Erst bei seiner dritten Reise führte ihn der Klosterverwalter am Ende nicht nur zu den verloren‧geglaubten Pergamenten, sondern zu 217 weiteren. Ein Sensationsfund für die Bibelwissenschaft! Schon am folgenden Tag begann Tischendorf mit der Arbeit an einer Faksimile-Edition des „Codex Sinaiticus“. Die Originalunterlagen hatten ein wechselvolles Schicksal. Nach langem Hin und Her willigte das Kloster ein, die Pergamentblätter als Geschenk dem russischen Zaren Alexander II. – Tischendorfs finanziellem Förderer – zu überlassen. 1933 veräußerte die So-wjetunion den Kodex an das Britische Museum, wo er sich noch heute befindet. Über das Eigentumsrecht gibt es allerdings noch immer verschiedene Meinungen, denn das Kloster bezweifelt, dass die damalige „Schenkung“ wirklich freiwillig geschah.





