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Shakespeares Haus in London lokalisiert
Geschichte & Archäologie

Shakespeares Haus in London lokalisiert

Im Jahr 1613 erwarb William Shakespeare ein Haus in London – das ging aus historischen Überlieferungen hervor. Doch wo im Bezirk Blackfriars dieser Bau des berühmten Barden lag, blieb unklar – bis jetzt. Drei in Londoner Archiven entdeckte Dokumente, darunter eine Karte, verraten erstmals die genaue Lage von…
Autor
Redaktion
21. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die Werke des englischen Dichters William Shakespeare gehören zu den berühmtesten Werken der Weltliteratur. Doch über das Leben ihres Autors ist nur wenig bekannt, anderes konnte bislang nicht verifiziert werden. Dies gilt auch für die letzten Jahre vor dem Tod Shakespeares im Jahr 1616. Bekannt ist, dass der Barde seine Einnahmen aus der Beteiligung an Theatern und einer Schauspieltruppe zum großen Teil in Immobilien investierte, die meisten davon in seiner Geburtsstadt Stratford-upon-Avon. Aus historischen Quellen geht aber auch hervor, dass Shakespeare im Jahr 1613 Grundeigentum im Londoner Stadtteil Blackfriars erworben hat.

Wo Shakespeares Londoner Haus genau lag, war jedoch unbekannt. Die Vermutung lag nahe, dass diese Immobilie in der Nähe des Blackfriars Theatre liegen musste, da Shakespeare dort Miteigentümer war. Heute erinnert daher eine Plakette an einem Haus in der Straße St. Andrew’s Hill in Blackfriars daran: „Am 10. März 1613 erwarb William Shakespeare nahe dieses Standorts eine Wohnung im Blackfriars Gatehouse“, ist dort zu lesen. Weil aber die genaue Lage von Shakespeares Besitz nicht bekannt ist, bleiben die Angaben vage.

historischer Plan
Historischer Plan des Viertels Blackfriars mit dem eingezeichneten Grundbesitz Willam Shakespeares. © The London Archives, City of London Corporation/ historisch

Historischer Plan enthüllt die genaue Lage

Eine Entdeckung der Historikerin Lucy Munro vom King’s College London hat dies nun geändert. Bei Recherchen in den London Archives und den National Archives stieß sie auf drei Dokumente, die mehr über Shakespeares Londoner Immobilie und dessen Geschichte verrieten. „Ich führte diese Recherchen im Rahmen eines größeren Projekts durch und konnte es kaum fassen, als mir klar wurde, dass ich den Plan von Shakespeares Haus in Blackfriars vor mir hatte“, berichtet Munro. Die im London Archive entdeckte Karte stammt aus dem Jahr 1668 und zeigt den Bezirk Blackfriars nach dem Großbrand von London im Jahr 1666.

Das Entscheidende: In diesem Plan ist der Grundbesitz von William Shakespeare eingezeichnet. Er verrät, dass sich das Gebäude vom Ostende der Ireland Street und dem Ende der Burgon Street bis zu den erst im 19. Jahrhundert errichteten Häusern St. Andrew’s Hill 5 und Burgon Street 5 erstreckte. Demnach markiert die Gedenktafel am Haus St. Andrew’s Hill 5 durch Zufall sogar genau die Lage von Shakespeares Londoner Domizil. „Dank dieser Entdeckung wissen wir nun genau, wo Shakespeares Haus einst stand“, sagt Munro. Der Plan zeigt zwar nicht die innere Aufteilung der Räume und auch ein beim Feuer zerstörter Gebäudeteil fehlt. Dennoch zeigt er, dass das Gebäude groß genug war, um nach Shakespeares Tod in zwei Häuser aufgeteilt zu werden.

War der Dichter häufiger in London als gedacht?

„Die Entdeckung weckt auch Zweifel an der gängigen Erzählung, nach der Shakespeare sich in seinen letzten Jahren in Stratford-upon-Avon zur Ruhe setzte und keine Zeit mehr in London verbrachte“, sagt Munro. Die Nähe dieses Domizils zum Blackfriars Theatre spreche gegen die Annahme, dass der Dichter das Londoner Haus nur als Geldanlage erwarb. Stattdessen hält die Historikerin es für sehr wahrscheinlich, dass Shakespeare auch in seinen letzten Jahren häufiger nach London fuhr und in seinem Haus wohnte. „Wir wissen, dass Shakespeare Koautor des Ende 1613 erschienen Stücks ‚Two Noble Kinsmen“ von John Fletcher war. Die Größe und Lage des nun identifizierten Hauses machen es nicht unwahrscheinlich, dass ein Teil dieses Stücks dort geschrieben wurde“, sagt Munro. „Wir wissen auch, dass Shakespeare London im November 1614 besuchte – es ist naheliegend, dass er dabei in seinem eigenen Domizil übernachtete.“

Zwei weitere von Munro in den Nationalarchiven aufgespürte Dokumente verraten mehr darüber, was mit diesem Haus nach dem Tod des Dichters geschah. Denn sie berichten davon, dass Shakespeares Enkelin Elizabeth Hall Nash Barnard – die Tochter seiner ältesten Tochter Susanna – diesen Grundbesitz im Jahr 1665 verkaufte. Das jetzt erstmals verortete Haus des Dichters war das einzige in London, das ihm gehörte. Zuvor hatte er in der Stadt immer nur zur Miete gewohnt.

Quelle: King’s College London

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