Auch der oft als mühselig empfundene Alltag und die Privatsphäre unterlagen in der DDR dem Kontroll- und Überwachungsdruck von Staat und Partei. Eine der Antworten der DDR-Freizeitkultur: raus in die „unverwanzte“ Natur. FKK und Camping zogen Massen an. Noch 1988 besuchten 2,5 Millionen DDR-Bürger Zeltplätze. Um der staatlichen Aufsicht in den Plattenbauten zu entkommen, spielten auch Datschen und Schrebergärten eine große Rolle. In der DDR gab es 2,6 Millionen Wochenendgrundstücke und 855 000 Kleingärten, die höchste Dichte weltweit. Das kleine Glück nur im Winkel? Die bekannteste Zuschreibung der privaten Lebensrealität in der DDR stammt von dem westdeutschen Publizisten Günter Gaus, der in den 1980er Jahren das Wort von der „Nischengesellschaft“ prägte. War es so? Gab es einen kollektiven Rückzug vor dem Kontrolldruck der SED-Diktatur? Das wird 75 Jahre nach der Staatsgründung und 35 Jahre nach dem Fall der Mauer weiter diskutiert. Was die Akzeptanz des Alltags und die Lebenszufriedenheit angeht, blickt die Forschung heute verstärkt auf die Generationenfolge und deren differierende biographisch-politische Erfahrungshorizonte und ebenso auf die Bandbreite politischer Ansichten: von angepassten über abwartende bis hin zu systemkritischen Bürgern.





