Die Fehde der beiden eng verwandten Clans hat ihren Ursprung bereits im 14. Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren die MacDonalds die unangefochtenen Herrscher über den Westen Schottlands und einen Großteil der schottischen Inseln. Als “Lords of the Isles” besaßen sie große Ländereien und waren wegen ihrer Macht und Kampfstärke gefürchtet.
Die Lords of the Isles und ihre Festung
Doch das änderte sich im Jahr 1462, als John of Islay, Chief der MacDonalds und Lord of the Isles, sich gegen den schottischen König stellte und einen Vertrag mit dem englischen König Edward IV. abschloss. Als Folge dieser als Verrat gebrandmarkten Handlung wurden die Ländereien der Mac Donalds dem Clan der Campbells übertragen – wogegen sich die Lords of the Isles wehrten. In den folgenden Jahrhunderten eskalierte diese Fehde immer weiter und beide Clans lieferten sich erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft in den Highlands und auf den Inseln. Eine der bedeutenden Festungen der Mac Donalds war Dunyvaig Castle, eine Burg an der Südküste der Insel Islay.
Zwar wurde die Festung ab 1494 von den Campbells übernommen, dennoch wechselte Dunyvaig Castle noch bis ins 17. Jahrhundert hinein mehrfach die Besitzer. Da der Clan MacDonald den Anspruch auf die Herrschaft über die schottischen Inseln und auch Islay bis dahin nicht aufgaben, eroberten sie immer wieder auch die Festung Dunyvaig zurück. “Die Geschichte von Dunyvaig Castle im 17. Jahrhundert ist komplex, Dokumente sprechen dafür, dass diese Festung mindestens viermal von Clansmännern der MacDonalds angegriffen wurde”, berichten Steven Mithen von der University of Reading und seine Kollegen. “Im Jahr 1614, 1615 und 1647 gelang es ihnen dabei, die Burg vorübergehend wieder von den Campbells zu übernehmen.”
Ein Campbell-Siegel in der Burg der MacDonalds
Aus dieser umkämpften Zeit stammt nun ein besonderes Fundstück, das Mithen und sein Team in Dunyvaig Castle entdeckt haben. Im Rahmen ihrer Ausgrabungen hatten sie ab 2018 zwei Erkundungsgräben an verschiedenen Stellen der Festungsruine eingebracht. Einer dieser Gräben legte das Nordende eines gut elf Meter langen und 4,50 Meter breiten Gebäudes mit dicken Lehmwänden frei. “Dieses Gebäude B war, ähnlich wie ein weiteres, im zweiten Graben freigelegtes, vor seinem Kollaps abgebrannt, berichten die Archäologen. “Das deutet auf ein größeres Feuer innerhalb der Burgmauern hin.”
Unter einer kollabierten Mauer dieses Gebäudes stießen die Forscher auf ein gut erhaltenes Siegel. “Solche Siegelstempel wurden vom schottischen Adel häufig genutzt, um wächserne Siegelabdrücke zu erzeugen, mit denen man Dokumente authentifizierte”, erklären Mithen und seine Kollegen. “Aber nur eine kleine Zahl dieser mit Wappen versehenen Petschafte haben überlebt und noch weniger sind in archäologischen Fundstätten geborgen worden. Das in Dunyvaig Castle entdeckt Siegel besteht aus einer Blei-Zinn-Legierung und ist rund 3,6 Zentimeter groß. “Die Vorderseite trägt einen breitspitzigen Schild mit dem Wappen der Campbells von Cawdor”, so die Forscher. Typisch für dieses war ein Hirschkopf, ein Schiff und ein Muster aus Dreiecken. Am Rand des Siegels war das Datum 1593 als Herstellungsdatum eingraviert.





