In Alexandria sah man die Bestrebungen der Attaliden gar nicht gern. Um zu verhindern, dass die kleinasiatische Rivalin der eigenen Bibliothek Konkurrenz machte, sollen die Ptolemaier gar ein Ausfuhrverbot für Papyrus nach Pergamon erlassen haben – ohne Beschreibstoff würde man dort keine Bücher mehr herstellen können. Doch in Pergamon dachte man nicht daran, klein beizugeben. So berichtet Plinius der Ältere (um 23– 79 n. Chr.) in seiner „Naturgeschichte“, dass vor diesem Hintergrund unter Eumenes II. ein neues Schreibmaterial entwickelt worden sei: das nach seinem mutmaßlichen Herkunftsort so genannte Pergament.
Tatsächlich war Pergament, also bearbeitete Tierhaut, schon lange vor Eumenes II. als Beschreibstoff im Orient bekannt. Ein Körnchen Wahrheit steckt gleichwohl hinter der Zuschreibung, denn aus Pergamon wurde seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. Pergament sehr guter Qualität und in größerem Stil nach Rom exportiert. In Rom war um 168 v. Chr. auch der Gelehrte Krates von Mallos als Gesandter Attalos’ II. Er hielt zudem öffentliche Vorträge, in denen sicher die Epen Homers, der zentrale Gegenstand seiner Forschung, einen breiten Raum einnahmen. Dies brachte ihm den Beinamen „der Homeriker“ ein. Aus Erwähnungen in antiken Quellen ist bekannt, dass er mindestens zwei Homer-Monographien verfasst hat.
Krates’ philologische Studien waren eng mit kosmologischen und geographischen Fragestellungen verknüpft. Der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon (um 63 v. Chr. – nach 23 n. Chr.) berichtet, dass Krates das erste Modell des Erdglobus gebaut habe, um darauf die von Homer geschilderten Irrfahrten des Odysseus darzustellen. Zugleich wollte er auf diese Weise auch zeigen, dass Homer, den er als absolute Autorität verehrte, die Kugelgestalt der Erde schon bekannt gewesen sei.
Mit seinen Vorträgen und vielbeachteten Veröffentlichungen mehrte Krates natürlich nicht nur seinen eigenen Ruhm, sondern auch jenen Pergamons als Zentrum der Wissenschaft und der Kultur. Und das war wiederum ganz im Sinne Attalos’ II. Dabei war Krates von Mallos nicht der einzige Philosoph, der Pergamons Stern am Tiber zum Strahlen brachte. Sein Schüler Panaitios von Rhodos trug wesentlich zur Verbreitung der griechischen bzw. stoischen Philosophie in Rom bei.
Krates von Mallos war wahrscheinlich auch einer der Leiter der Bibliothek von Pergamon. Der im 3. Jahrhundert n. Chr. wirkende griechische Historiker Diogenes Laertios schreibt in seiner Geschichte der griechischen Philosophie, dass im 1. Jahrhundert v. Chr. der Philosoph Athenodoros Kordylion aus Tarsos die pergamenische Bibliothek geleitet habe. Wie groß die Anziehungskraft Pergamons als kulturelles Zentrum auch in römischer Zeit noch gewesen sein muss, mag man daraus schließen, dass unter den Schülern des Athenodoros kein Geringerer war als Marcus Porcius Cato der Jüngere.





