Skanderbeg suchte seine Verbündeten nicht nur im Südosten, sondern auch im „Abendland“: Ungarn, Neapel, der Papst und Venedig sahen in ihm den Vorkämpfer für das Christentum. Ein Charakterzug des Albaners war seine selbst nach großen Rückschlägen unerschütterliche Kompromisslosigkeit gegenüber den Osmanen.
In Albanien wird Skanderberg bis heute als Nationalheld verehrt. Oliver Jens Schmitt ist hingegen bestrebt, die vorhandenen Bilder anhand der Originalquellen zu überprüfen, so dass er die historische Persönlichkeit neben deren Mythos stellen kann. Eine umfassende Kenntnis aller relevanten Archive in Europa und Ortskenntnis auf dem Balkan lassen ihn zu einer Neubewertung Skanderbegs finden, einer Bewertung, die seinem Buch in Albanien heftige Kritik beschert hat.
Skanderbegs Aufstand, aufrechterhalten mit einer relativ kleinen Anhängerschaft, dauerte 25 Jahre, bis 1468. Er hatte keinesfalls nationale Zielsetzungen, sondern bezweckte die Zurückdrängung der Osmanen aus Europa und die Vernichtung ihres Reichs. Drei während dieser Zeit europaweit geplante Kriegszüge gegen das Reich des Sultans scheiterten daran, dass die zeitliche Abstimmung über große Räume hinweg nicht gelang. Mit seinen albanischen Anhängern allein konnte Skanderbeg einem Sultansheer nicht standhalten, sein Land wurde daher schließlich zerstört.
Im Kapitel „Aus der Werkstatt des Historikers“ skizziert Schmitt nicht nur die Forschungsgeschichte und kommentiert die wichtigste Literatur, sondern geht auf südosteuropäische Spezifika ein: Bezeichnungen von Sprachgruppen und Räumen sowie die Problematik der verwendeten Orts- und Personennamen werden schlüssig erklärt. Schmitt legt eine flüssig und spannend, fast wie ein Roman zu lesende Biographie vor, die Weltgeschichte an der Schnittstelle mehrerer Kulturen während eines histo‧rischen Wendepunkts vor Augen führt.
Rezension: Dr. Harald Roth





