Schon mehrfach Knochen gefunden
Es ist nicht der erste Fund von Knochen auf dem FU-Campus: Bereits im Jahr 2014 stießen Arbeiter bei Bauarbeiten auf Skelettreste, die damals jedoch nicht genauer untersucht wurden. Als jedoch auch 2015 und 2016 bei Erdarbeiten in der Nähe dieses Fundorts immer wieder vereinzelt Knochen gefunden wurden, beschloss die Universität, im Sommer 2016 eine archäologische Ausgrabung in diesem Bereich durchzuführen.
In unmittelbarer Nähe des Fundortes von 2014 stießen die Archäologen dabei auf eine zwei Meter tiefe und 1,50 mal ein Meter breite Grube mit senkrechten Wänden. An ihrem Grund fanden sich zahlreiche Knochen, darunter zerbrochene Schädelknochen, Zähne, Wirbel und Langknochen. Anhand ihrer Größe gehen die Forscher davon aus, dass diese Skelettreste sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern stammen. Aus welcher Zeit sie stammen, ist bisher noch unklar.
Eugenik-Institut lag bis 1945 ganz in der Nähe
Interessant wird der Knochenfund durch seine besondere Lage. Denn wenige 100 Meter von der Fundstelle entfernt steht das Gebäude, in dem sich bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dorthin hatte der KZ-Arzt Josef Mengele bis Kriegsende Leichenteile von Menschen geschickt, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden waren. In dem Gebäude befand sich bis 1945 auch eine Sammlung menschlicher Gebeine aus kolonialen Zeiten.
Ob die nun gefundenen Skeletteile aus diesem Institut stammen und womöglich zu den von Mengele gelieferten Präparaten gehörten, ist bisher nicht klar. Wie die Archäologen berichten, war jedoch zwischen den Knochen kaum Erde zu finden, was auf ein Vergraben in einem sackähnlichen Behältnis hindeutet. Einige Knochen weisen zudem Klebstoffreste auf, zudem wurden in der Grube auch Teile eines nachgeformten menschlichen Körpers aus Gips und kleine runde Marken mit handschriftlichen Zahlen entdeckt.
Untersuchung soll Herkunft und Alter klären
“Wir gehen deshalb davon aus, dass zumindest ein Teil der Knochen aus Skelettsammlungen stammt.”, berichtet Susan Pollock vom Institut für Vorderasiatische Archäologie der Freien Universität. Darauf deuteten auch die Überreste des Körpermodells hin. “Modelle aus Wachs oder Gips waren bis ins 20. Jahrhundert nicht unüblich in anatomischen Sammlungen.” Ganz am Boden der Grube habe man neben den Gipsteilen auch einige organische Reste gefunden, über deren Art oder Herkunft sich aber noch keine Aussagen treffen ließen.
Die Knochen sollen nun osteologisch untersucht werden, um mehr über die Herkunft, das ungefähre Alter und das Geschlecht der Toten herauszufinden. Außerdem lasse sich so feststellen, um wie viele Personen es sich mindestens handele, sagt Pollock. Ergebnisse der Untersuchung sollen frühestens Ende des Jahres vorliegen.





