Wer waren die Verfasser der Schriftrollen?
Vor 70 Jahren machten Beduinen einen sensationellen Fund: In einer der vielen Höhlen in der Nähe von Khirbet Qumran am Toten Meer fanden sie Tonkrüge, in denen uralte Schriftrollen aus Pergament und Papyrus lagen. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Rollen und Fragmente aus der Zeit von 250 vor bis 50 nach Christus stammten. Sie enthielten Texte aus der Bibel und Kommentare dazu. Bis heute gelten die Schriftrollen vom Toten Meer als einzigartige Dokumente des jüdischen Glaubenslebens zur Zeit der Urchristen.
Doch wer hat diese Texte verfasst? Einer Theorie nach gehörten die Schreiber der Sekte der Essener an, einer in zeitgenössischen Schriften erwähnten Gruppe religiöser Asketen, die in dieser Gegend gelebt haben sollen. “Doch trotz mehr als 60 Jahren der Forschung hat die Archäologie uns bisher keine überzeugenden Beweise für diese Verbindung geliefert”, sagt Yossi Nagar von der israelischen Antikenbehörde.
Auch die in einem antiken Friedhof nahe Qumran entdeckten Skelette aus jener Zeit boten bisher kaum Anhaltspunkte dazu, was für Menschen hier damals gelebt haben und in der Nähe der Qumranhöhlen begraben wurden. “Die Toten aus dem Friedhof von Qumran wurden je nach Theorie für Soldaten, Eisenzeit-Menschen oder sogar Beduinen gehalten”, so Nagar.
Skelette fast nur von Männern
Jetzt jedoch könnten neue Funde im Gräberfeld von Qumran entscheidende Hinweise zu den Verfassern der Schriftrollen liefern. Nagar und seine Kollegen haben im letzten Jahr dort 33 weitere Skelette entdeckt und geborgen. Vorläufigen Radiokarbondatierungen nach sind sie rund 2200 Jahre alt – sie stammen damit etwa aus der Zeit in der die Qumran-Texte niedergeschrieben wurden.
Um herauszufinden, ob es sich bei den Toten um Männer, Frauen oder Kinder handelte, haben die Archäologen die Skelette vermessen und die Knochenstruktur analysiert. Dabei zeigte sich: 30 der 33 Toten waren höchstwahrscheinlich Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Bei den restlichen drei konnten Alter und Geschlecht nicht eindeutig bestimmt werden. Wie die Forscher berichten, ergab auch die Neuanalyse von 53 bereits früher gefundenen Toten aus Qumran einen Überschuss von Männern im mittleren Alter.
Eine enthaltsame Gemeinschaft
Nach Ansicht der Archäologen deutet die fast völlige Abwesenheit von Frauen und Kindern darauf hin, dass es sich hier nicht um die Bewohner einer gewöhnlichen Siedlung handelte. Weil Verletzungsspuren an den Skeletten fehlen und auch ältere Männer hier begraben wurden, sei es auch eher unwahrscheinlich, dass es sich bei den Toten von Qumran um Soldaten handelte, wie eine der Theorien annimmt.





