Den Menschen bescherte der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. eine schreckliche Katastrophe – doch der Archäologie einen Schatz: Wie in einer Art Zeitkapsel wurden antike Strukturen der Städte Pompeji und Herculaneum sowie ihres Umlandes in der Vulkanasche konserviert. Schon lange liefern Ausgrabungen einzigartige Einblicke in das Leben im Römischen Reich – und noch immer gibt es Neues zu entdecken. Ein spannender Fundort ist dabei momentan die Villa Civita Giuliana. Im Frühjahr 2021 berichteten Archäologen von einer spektakulären Entdeckung in den Überresten dieses einst luxuriöses Anwesen nördlich von Pompeji: Sie hatten eine reich verzierte Zeremonialkutsche entdeckt, die zur Zeit des Vulkanausbruchs möglicherweise gerade für ein Fest vorbereitet wurde.
Karge Schlaf- und Abstellkammer
Nun berichten die Archäologen über einen weiteren Fund in dem Gebäudekomplex, in dem die Kutsche entdeckt wurde. Er erscheint ausgesprochen wenig glamourös – aber gerade deshalb ist er besonders interessant ist. Es handelt sich um einen etwa 16 Quadratmeter großen, schmucklosen Raum mit einem kleinen Fenster. Darin hat der Aschestaub auch die Spuren von verschiedene Gegenständen erhalten. Teilweise konnten die Archäologen die Strukturen vergänglicher Objekte aus Stoff oder Holz durch Gipsausfüllungen gefundener Hohlräume abbilden.
Wie sie berichten, standen in dem Raum drei grob gearbeitete Holzbetten, die offenbar auf unterschiedliche Körpergrößen eingestellt werden konnten. Zwei der Betten waren etwa 1,70 Meter lang, das dritte maß hingegen nur 1,40 Meter und könnte daher einem Kind gehört haben. Die Liegeflächen bestanden aus Seil-Strukturen, deren Abdrücke zu erkennen sind und über die Stoffdecken gelegt wurden, die ebenfalls als Hohlräume im Aschematerial erhalten geblieben sind. Anhand der Merkmale des Raumes und der Befunde gehen die Experten davon aus, dass es sich um den Schlafplatz von Sklaven gehandelt hat – möglicherweise war hier ein Paar mit Kind untergebracht.
Spiegel der Erfahrungen antiker Sklaven
Unter den Betten entdeckten die Archäologen verschiedene Behälter, darunter Keramikgefäße, die möglicherweise zur Aufbewahrung von persönlichen Gegenständen der Bewohner gedient haben. Die Archäologen fanden auch ein Gefäß, das sie als einen Nachttopf interpretieren. Zudem wurde die Kammer offenbar als Abstellraum des Anwesens genutzt, wie aus acht dort gelagerten Amphoren hervorgeht. Weitere Funde könnten zudem darauf hindeuten, dass die Sklaven neben weiteren Aufgaben mit der Betreuung des nahen Pferdestalls und vielleicht mit der Wartung der entdeckten Kutsche zu tun hatten: Auf einem der Betten lag ein Wagenteil, das Archäologen ebenfalls durch einen Gipsabdruck nachweisen konnten. Außerdem stießen die Archäologen auf eine Holztruhe mit Metall- und Stoffgegenständen, die wohl zu einem Pferdegeschirr gehörten.





