Die zunehmend an kultur- und ideengeschichtlichen Fragen orientierte Forschung interessiert sich seit einiger Zeit verstärkt für den Kriegsalltag und die Vorstellungswelten von Soldaten. So auch Militär- und Marinehistoriker Stephan Huck, der mithilfe serieller Quellen und Selbstzeugnisse der Angehörigen der Braunschweiger Regimenter deren Nordamerika-Erfahrungen untersucht hat. Hierbei betrachtet er getrennt voneinander die Bereiche Kampfeinsatz, kanadische Garnison und das Leben der Kriegsgefangenen. Huck interessieren vor allem die Motive, sowie die Selbst- und Fremdbilder der Soldaten, die er sodann denen ihrer britischen Verbündeten und amerikanischen Gegner gegenüberstellt. So machte etwa die multinationale Umgebung des Konflikts aus Braunschweigern Deutsche. Amerikanischer Liberalismus und die unkonventionelle Taktik der Kolonisten-Milizen beeinflussten ihr von heimischer Ständeordnung geprägtes Weltbild und ihr soldatisches Selbstverständnis. Denn die hierarchisch gegliederte, auf strengem Reglement und adeliger Offiziersehre basierende Linienkriegsführung zeigte sich in diesem Konflikt als entscheidender Nachteil gegenüber den freien und funktionalen Taktiken der Unabhängigkeitskämpfer.
Rezension: Daniel Tuttenuj





