Immer wieder kommt es vor, dass wertvolle und archäologisch bedeutsame Funde nicht durch Archäologen, sondern durch private Sondengänger gemacht werden. Solche Laien-Schatzsucher gehen mit Metalldetektoren Waldstücke oder Felder ab, um historische Münzen, Waffen oder andere Artefakte zu finden. Allerdings: In vielen Bundesländern ist das Sondengehen nur mit behördlicher Genehmigung erlaubt. Alle Funde müssen zudem gemeldet werden. Das soll sicherstellen, dass wichtige Funde nicht verschwinden und dass der Fundzusammenhang erhalten bleibt und untersucht werden kann. Aber nicht alle Sondengeher halten sich daran.

450 Silbermünzen und mehrere Silberbarren
Einen solchen Fall hat es nun in Niedersachen gegeben. Dort meldete sich im April 2025 ein 31-jähirger Mann bei der Polizei und berichtete, er habe nahe des Orts Borsum bei Hildesheim einen antiken Silberschatz entdeckt. Allerdings: Dieser Fund ereignete sich schon 2017 und lag damit schon acht Jahre zurück. Aber weil der Sondengeher damals ohne Genehmigung unterwegs war, hatte er Angst, diesen Fund den Behörden zu melden, wie er berichtete. Erst jetzt, nach Verjährung der Tat, traute der Mann sich, seinen Schatzfund abzugeben. Die Polizei benachrichtigte daraufhin Archäologen vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
Nähere Untersuchungen des Funds ergaben: Der rund 2000 Jahre alte Schatz besteht aus 450 Silbermünzen, mehreren Silberbarren sowie einem Goldring und einer Goldmünze. Damit ist dieser Silberfund einer der größten in Niedersachsen, wie der Archäologe Sebastian Messal vom Landesamt erklärt. “Der Fund ist von enormer wissenschaftlicher Bedeutung”, so Messal. Um mehr über den Fundzusammenhang zu erfahren, haben er und seine Kollegen sich letzte Woche den ursprünglichen Fundort vom Sondengänger zeigen lassen. Die Archäologen hofften, mehr Informationen darüber zu erhalten, unter welchen Umständen der Silberschatz einst vergraben wurde.
Wer vergrub den Schatz: Römer oder Germanen?
Bei der Nachuntersuchung des Fundorts haben Messal und sein Team noch weitere Silbermünzen gefunden. Sonst konnten sie jedoch aufgrund der unsachgemäßen Ausgrabung im Jahr 2017 nur wenig weiterführende Informationen gewinnen. Das sei bedauernswert, so Messal. Aber zumindest ist nun sichergestellt, dass dort nicht noch weitere Teile des Horts auf ihre Entdeckung warten. Der Silberschatz und seine Bestandteile werden zurzeit im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege weiter untersucht und konservatorisch behandelt.
Ersten Analysen zufolge stammen die Funde aus dem ersten Jahrhundert nach Christus und damit aus der Zeit des römischen Kaiserreichs. Der Silberschatz wurde demnach zu einer Zeit vergraben, als in dieser Region Römer und Germanen eng neben- und miteinander lebten, sich teilweise auch bekämpften. Wer die Münzen und Silberbarren damals vergraben hat, ist noch unbekannt. Die Archäologen hoffen, durch weitere Analysen der Fundstücke mehr darüber zu erfahren. “Eine präzisere zeitliche Einordnung des Schatzfundes und seiner Niederlegung ist erst nach der Restaurierung und wissenschaftlichen Auswertung der Münzen und übrigen Funde möglich”, erklärt das Landesamt. “Erst dann kann eingeschätzt werden, woher die Artefakte kamen und warum sie hier vergraben wurden. Waren es Römer oder Germanen?”
Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege





