Der Staatsmann Perikles hatte volles Vertrauen in die Flotte Athens (Marmorbüste, römische Kopie eines griechischen Originals). · Foto: Bridgeman Images
Athen beherrschte lange Zeit die Meere rund um Griechenland. Im Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) wendete sich das Blatt: Sparta rüstete seine Flotte massiv auf – mit finanzieller Hilfe von Persien, dem Erzfeind der Athener.
Niemand kann euch Widerstand leisten, wenn ihr mit eurer gesamten Flottenmacht in See geht, weder der Perserkönig noch irgendein anderes Volk.“ Das versicherte der Athener Politiker Perikles laut dem Historiker Thukydides 430 v. Chr. seinen Landsleuten. Niemals zuvor und niemals danach hatte eine griechische Stadt das Meer in einem solchen Maß beherrscht wie Athen. Seine Kriegsflotte war die modernste und schlagkräftigste der Zeit, und ihre Kapitäne und Ruderer dominierten auch im großen Krieg, der im Jahre 431 v. Chr. gegen Sparta und dessen Bundesgenossen begann.
Doch 30 Jahre später war alles dahin: die Flotte besiegt, der Gegner zur See mindestens ebenbürtig und in der Lage, die Athener zur Kapitulation zu zwingen. Der Peloponnesische Krieg ist ein Musterbeispiel dafür, welch entscheidende Rolle Seeschlachten und Flottenpolitik im antiken Mittelmeerraum spielten und wie ein Gegner, der zunächst unterlegen erscheint, am Ende doch triumphieren kann.
Am Anfang und am Ende dieser Entwicklung stand eine Macht, die auch Perikles nicht außer Acht ließ: das Persische Weltreich. Dessen König Dareios hatte gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. seinen Machtbereich von Kleinasien über den Hellespont bis zur Ägäis ausgeweitet. Doch im Jahr 500 v. Chr. rebellierten die griechischen Hafenstädte der kleinasiatischen Küste, und die Athener begingen den Fehler, den Aufständischen mit 20 Schiffen zu Hilfe zu kommen.
Das Unternehmen schlug fehl; der Aufstand wurde nach mehrjährigem Kampf niedergeschlagen. Um die Athener für ihre Beteiligung am „Ionischen Aufstand“ zu bestrafen und den persischen Einfluss in Griechenland auszuweiten, entsandte Dareios eine persische Expeditionsflotte zur Nordküste der Ägäis. Sie zerschellte jedoch im Sturm am Athosgebirge. Eine zweite Flotte nahm 490 v. Chr. Kurs auf die Halbinsel Attika. Ihre Landungstruppen wurden jedoch unerwartet von den Athenern in der Ebene von Marathon zurückgeworfen.
Themistokles lässt Piräus zum Kriegshafen ausbauen
Wenige zweifelten daran, dass die Perser alles daransetzen würden, die Scharte auszuwetzen. Ebenso gewiss würden sie dies mit noch größeren Kriegsflotten tun. Denn ob ein Heer überzusetzen war oder an der Küste entlangmarschieren würde: Ohne Schiffsunterstützung und die Kontrolle der Seewege war weder die Versorgung der Truppen noch die Herrschaft über die mit dem Meer so eng verzahnte griechische Halbinsel zu sichern.
Das Wort Atheismus haben wir aus dem Griechischen übernommen, doch das Verständnis von Unglauben war sowohl im antiken Griechenland als auch im Römischen Reich…
Mitte der 1980er Jahre entstand in Piräus dieser Nachbau einer antiken Triere. Der eindrucksvolle Rammsporn war ein wichtiges Bauelement der Kriegsschiffe. · Foto: akg-images / John Hios
Um sich gegenüber der Bedrohung zu wappnen, ließ der Athener Politiker Themistokles wenige Jahre nach Marathon die Landzunge Piräus als Kriegshafen ausbauen, mit Werften, Schiffshäusern und Arsenalen. Schon bald liefen die ersten Schlachtschiffe des neuesten Typs vom Stapel, sogenannte Trieren, schlanke Einheiten, die von drei übereinander gestaffelten Ruderreihen enorm beschleunigt werden konnten und mit gezielten Rammstößen gegnerische Schiffe seitlich aufschlitzten.
Am Ende besaß Athen mit rund 250 Schiffen die größte und modernste Armada der griechischen Welt, finanziert von den Erträgen der Silberminen und überwiegend bemannt von den Bürgern der unteren Einkommensklassen, die im Seekrieg eine ungeahnte Chance der Bewährung fanden. Sie nutzten diese Chance, als die Athener Flotte mit den Trieren des griechischen Abwehrbundes die persische Flotte 480 v. Chr. in der Bucht von Salamis besiegte und sie und König Xerxes zum Rückzug zwang. Ein Jahr später konnten die Griechen die persischen Landtruppen besiegen und ein Schiffslager an der kleinasiatischen Küste zerstören. Die persische Invasion war zurückgeschlagen.
Doch dann taten die Athener etwas Überraschendes. Berauscht vom Sieg über die Weltmacht, beschlossen sie, ihre Kriegsflotte nicht etwa einzumotten oder zu reduzieren, sondern sie weiter offensiv gegen die Perser einzusetzen. Zu diesem Zweck gründeten sie 477 v. Chr. den Attischen Seebund, eine Vereinigung aller griechischen Ägäisstädte, die bereit waren, an der Weiterführung des Krieges mitzuwirken und die Athener mit eigenen Schiffen oder Geld zu unterstützen.
In der Folgezeit feierten Athener Admiräle spektakuläre Erfolge und weiteten ihre Operationen bis an die ostmediterranen Küsten aus. Die Erfolge der Ruderer stärkten ihr Selbstbewusstsein und steigerten ihr politisches Gewicht innerhalb der Bürgerschaft. Die Entstehung der Athener Demokratie und der Aufstieg der Kriegsflotte zum entscheidenden Instrument imperialer Seemacht gingen Hand in Hand. Seekrieg und Seeherrschaft bildeten das einigende Band, das alle Athener zusammenschweißte im Stolz darauf, das Meer wie niemand sonst zu beherrschen.
Der Erfolg der Kriegsflotte beruhte neben der Unterstützung durch den Seebund, dem Aufbau von Stützpunkten sowie effizienten Entscheidungsgremien vor allem auf einer unnachahmlichen technisch-taktischen Expertise. Üblicherweise stellten sich Flotten nahe der Küste zur Seeschlacht ähnlich auf wie Landtruppen: in einer langen Reihe nebeneinander mit dem Bug auf die gegnerische Schlachtreihe gerichtet (später als Dwarslinie bezeichnet). Mit Beginn des Kampfes fuhr man direkt aufeinander los, versuchte, das gegnerische Schiff durch einen frontalen Stoß mit dem Rammsporn zum Kentern zu bringen oder im Enterkampf auszuschalten.
Ruinen eines Trockendocks, in dem Galeeren gebaut wurden. Diese Anlage wurde bei Oiniadai in Westgriechenland errichtet. Die Athener verfügten in Piräus über ähnliche Werften. · Foto: akg-images / David Parker /SCIENCE PHOTO LIBRARY
Neue Manöver im Krieg auf dem Meer
Die Athener hatten dagegen seit Salamis taktisch anspruchsvollere Manöver entwickelt, die professionelles Training verlangten. Das berühmteste war der diékplous („Durchbruch“): Anstatt direkt auf den Gegner loszufahren, drängte man sich in die Lücken der nebeneinander aufgestellten Einheiten, zerstörte deren Ruderwerk und machte sie manövrierunfähig, um dann zum entscheidenden Rammstoß in die Flanke anzusetzen. Die Mannschaft des sinkenden Schiffes wurde, wenn sie nicht ertrank, mit Pfeilen bekämpft.
Hatte man den Gegner seitlich passiert, konnte man ein weiteres Manöver anschließen, indem man im Rücken des feindlichen Schiffes wendete, um von der anderen Seite in dessen Flanke zu stoßen. Gelang diese „Umfahrung“ (períplous), war die Ordnung des Gegners in der Regel so heillos zerstört, dass er nur noch an Flucht dachte.
Athen richtete seine aggressive Kriegspolitik seit Ende der 450er Jahre v. Chr. auch auf die griechische Halbinsel. Als sich Sparta und seine Bundesgenossen zur Wehr setzten und 431 v. Chr. den sogenannten Peloponnesischen Krieg eröffneten, befand sich zwar mit Korinth eine wohlhabende Hafenstadt in ihren Reihen, die ihre Flotte auf immerhin 100 Trieren aufgerüstet hatte; und auch Sparta besaß an der Südspitze der Peloponnes in Gytheion einen Kriegshafen, in dem Schlachtschiffe gebaut wurden. Allerdings wurden diese nicht direkt von der spartanischen Elite, sondern von den sogenannten Periöken, Gemeinden ohne spartanisches Bürgerrecht, ausgerüstet, bemannt und finanziert.
Daher konzentrierten sich die Spartaner selbst zunächst auf ihre Stärke, den Landkrieg, während die Korinther die Athener indirekt zu schwächen suchten, indem sie Ruderer für ihre Flotte abwarben. Denn das entscheidende Manko war über Nacht nicht auszugleichen: Ihnen fehlten die Seekriegserfahrung der Athener und die materiellen Mittel, die man brauchte, um eine moderne Kriegsflotte über Jahrzehnte erfolgreich operieren zu lassen.
Unter diesen Umständen blieben wenige Optionen: Wenn ein Seegefecht nicht zu vermeiden war, dann musste man dieses in einem räumlich engen Operationsgebiet führen, wo die Athener ihre gefürchteten Manöver nicht entfalten konnten, während man selbst rasch zum Enterkampf übergehen und auf die Unterstützung ufernaher Truppen hoffen konnte.
An den Riemen der griechischen Galeeren saßen noch keine Sklaven oder Sträflinge wie in späteren Jahrhunderten, sondern freie Bürger (Relief aus dem späten 5. Jahrhundert v. Chr.). · Foto: akg-images / David Parker /SCIENCE PHOTO LIBRARY
Exemplarisch für eine solche Konstellation stehen die Gefechte, welche die Flotte des Peloponnesischen Bundes in den Anfangsjahren gegen Phormion, einen der Topadmiräle Athens, am westlichen Ausgang des Korinthischen Golfs führte. Phormion war mit 20 Trieren zur Küstenstadt Naupaktos entsandt worden, um zu verhindern, dass der Gegner seinen Einfluss auf das mit Athen verbündete Akarnanien am Nordufer des Golfes ausweitete. Als eine korinthische Flotte von knapp 50 Einheiten in Sicht kam, zwang er diese laut Thukydides „mitten auf dem Meer“ zur Schlacht.
Die korinthischen Schiffe ordneten sich nebeneinander mit dem Bug auf den Gegner gerichtet in einem Halbkreis. In der Mitte waren die schnellsten Schiffe postiert, um den diékplous der Athener zu verhindern. Doch es nutzte nichts. Phormion ließ mehrere Scheinangriffe führen, bis die im Morgengrauen einsetzende Landbrise im Rücken des Gegners die korinthischen Schiffe zunächst gegeneinander und dann nach vorne auseinander trieb.
Genau in diesem Moment schlugen die Trieren Phormions zu, führten Rammstöße in die Flanke der gegnerischen Einheiten und erbeuteten zwölf von ihnen – ein Triumph überlegener Taktik und nautischer Erfahrung. Doch die Kapitäne des Peloponnesischen Bundes versuchten – wie Thukydides betont –, aus den Fehlern zu lernen. Mit neuem Führungspersonal segelte eine auf 75 Einheiten verstärkte Flotte auf Naupaktos zu, dem von Verteidigern entblößten Standort der Athener.
Ein vermeintlicher Sieg wird zur Niederlage
Als Phormion ihnen in den Golf folgte, wendeten die Verfolgten und fuhren einen überraschenden Frontalangriff; die Athener fanden keine Zeit zu reagieren: Neun Schiffe wurden zerstört oder umzingelt, elf gelang die Flucht nach Naupaktos. Dort drehten die Athener den Spieß um. Im Windschatten eines Frachtschiffes wendeten sie ihrerseits und brachten die siegesgewissen Verfolger so in Verwirrung, dass diese umzingelt werden konnten und die eroberten athenischen Schiffe freigaben.
Der Konflikt zwischen Sparta und Athen begann als Landkrieg. Auf dem Relief aus dem frühen 4. Jahrhundert v. Chr. ist eine Phalanx von sieben Hopliten zu sehen. · Foto: akg-images / WHA / World History Archive
Der spartanische Kommandeur nahm sich das Leben. Er hatte die bittere Erfahrung machen müssen, dass ein gelungenes Manöver nicht davor bewahrte, vom nächsten Überraschungscoup des Gegners doch noch überwältigt zu werden.
Noch waren es kleine Flotten, die vornehmlich eingesetzt wurden, um Landoperationen abzusichern, Küsten zu plündern und Versorgungslinien zu unterbrechen. Die Athener suchten im Westen der Peloponnes den gegnerischen Holz- und Getreidenachschub aus Sizilien und Unteritalien zu unterbinden. Im Gegenzug eroberte der spartanische Feldherr Brasidas in der Nordägäis im Rücken der Athener die für den Holznachschub zentrale Stadt Amphipolis und ließ vor Ort eine Flotte bauen, um die aus dem Bosporus zum Piräus segelnden Getreideschiffe abzufangen.
Der Seekrieg entwickelte sich zu einem weiträumigen Kampf um Routen und Ressourcen, ohne dass eine Seite einen entscheidenden Vorteil erzielen konnte. So einigte man sich nach zehn Jahren (421 v. Chr.) auf einen Frieden, der eine Pattsituation festschrieb.
Die Konkurrenz der beiden Machtblöcke blieb freilich bestehen, und besonders die Athener dachten gar nicht daran, ihre großräumige Seekriegspolitik aufzugeben. 415 v. Chr. plante man den ganz großen Coup. Formell auf Bitten einer verbündeten Stadt in Sizilien stach eine gewaltige Flotte von 134 Trieren sowie Transportschiffen mit über 25 000 Ruderern und 6400 Soldaten in See, um Syrakus, die bedeutendste Hafenstadt des griechischen Westens, zu erobern.
Es war die größte Expeditionsflotte, die jemals eine griechische Polis über diese Entfernung entsandt hatte. Ihre Aufgabe war es, mit Syrakus einen mächtigen Verbündeten der Spartaner auszuschalten und sich dessen Herrschaftsgebiet zu sichern, um den Peloponnesischen Bund auch vom Westen her in die Zange zu nehmen. Hoffnung auf reiche Beute schürte den Optimismus.
Modell einer Triere („Dreiruderer“). Bei diesem Galeerentyp befanden sich auf jeder Seite drei übereinander angeordnete Reihen von Rudern. Auf dem Oberdeck war Platz für Soldaten. · Foto: akg-images / Erich Lessing
Doch das Unternehmen stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Kompetenzgerangel unter den Kommandeuren sowie Streitigkeiten über die Angriffstaktik führten dazu, dass sich die Athener Flotte zwar rasch im Hafen von Syrakus festsetzen, aber keinen durchschlagenden Erfolg bei der Eroberung der gut befestigten Stadt erringen konnte.
Entsatzarmee bringt die Wende
Die endgültige Wende zuungunsten der Angreifer brachte das Eingreifen einer spartanischen Entsatzarmee unter Gylippos, der wie Brasidas zu einer Gruppe von Militärexperten zählte, die sich unterhalb der spartanischen Führungseliten exzellente Kenntnisse im Seekrieg angeeignet hatte. Thukydides berichtet, Gylippos habe die Syrakusaner angewiesen, den Bug ihrer Kriegsschiffe mit massiven Balken und Stützplanken zu stabilisieren.
Rammstöße auf den viel schwächeren Bug der Athener Trieren sollten die gefürchteten Manöver des Gegners im Keim ersticken, also im Prinzip die gleiche Taktik, die man schon in den Gefechten mit Phormion verfolgt hatte, nun allerdings in einem engen Hafenbecken, wo den Athenern jegliche Bewegungsmöglichkeit verwehrt war; auch die Hafeneinfahrt war geschlossen worden.
Tatsächlich wurden die athenischen Schiffe nach ersten Frontalangriffen des Gegners mit Enterhaken erfasst und ihre Bemannung mit Speerwürfen und dann Mann gegen Mann dezimiert. Als die letzten Durchbruchversuche scheiterten, befahlen die athenischen Generäle den Rückzug über Land. Er endete in einem noch fürchterlicheren Gemetzel. Die bis dahin größte Marineoperation der Griechen war katastrophal gescheitert.
Der Zeitgenosse Thukydides sah im Untergang der Athener Flotte den „Umschwung“ (peripéteia), welcher die Athener alsbald auch in der Ägäis zu Verlierern machte und Sparta auf die Siegesstraße brachte. Tatsächlich hatte Athen einen gewaltigen Aderlass nicht nur an Schiffen, sondern auch an erfahrenen Offizieren, Kapitänen und Ruderern hinnehmen müssen.
Diese um 560 bis 550 v. Chr. vom Töpfer Kleimachos gefertigte Vasenmalerei zeigt eine abstrahierte griechische Galeere. Ganz rechts steht der Steuermann. · Foto: akg-images / Pictures From History
Doch immerhin gelang es der Stadt in den Folgejahren unter Aufbietung aller Kräfte, den Verlust zumindest nominell auszugleichen. Allerdings hatten ihre Flotten nicht mehr die Qualität der Vorgängerschiffe, „sie fuhren weniger gut“, wie der Historiker Xenophon bemerkt; vor allem aber fehlten ihren Ruderern die Erfahrung und das jahrelange Training, was im Seekrieg so entscheidend war.
Viele Ruderer wechselten auf die Seite des Peloponnesischen Bundes, und zwar nicht nur, weil diesem nach dem Erfolg in Sizilien das Renommee des Siegers anhaftete, sondern auch, weil Sparta unerwartete finanzielle Unterstützung erhielt von einer Macht, die über Jahre das Ringen der griechischen Bündnissysteme beobachtet hatte: Persien. Prinz Kyros, der Oberbefehlshaber von Kleinasien, sah nach dem Desaster der Athener die Gelegenheit gekommen, die Siegchancen der Spartaner durch massive finanzielle Unterstützung weiter zu erhöhen. Im Gegenzug hoffte er, wieder in den Besitz der mit Athen verbündeten kleinasiatischen Städte zu kommen.
Das Arrangement funktionierte und war am Ende kriegsentscheidend. Der Peloponnesische Bund konnte sich nun moderne Kriegsflotten mit motivierten, weil gut bezahlten Mannschaften leisten, während die Athener mit dem Nötigsten auskommen mussten.
Der Peloponnesische Bund trägt den Sieg davon
Wie sehr sich dadurch die Gewichte auch auf taktischer Ebene verschoben, zeigt die letzte große Seeschlacht bei den Arginuseninseln (auf der Höhe von Lesbos). Die Athener konnten 150 Schiffe ins Gefecht führen, doch sie mussten diese eiligst mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Bürgern und Sklaven, also ziemlich unerfahrenen Seeleuten, bemannen, während auf der Gegenseite die besten Ruderer zum Einsatz kamen.
Dementsprechend war es nun die Flotte des Peloponnesischen Bundes, die zu diékplous und períplous ansetzte, während die Athener, der Überzahl an Schiffen vertrauend, den Frontalangriff suchten. Die Rollen hatten sich vertauscht.
Erstaunlicherweise konnten sich noch einmal die Athener durchsetzen, nachdem man das gegnerische Admiralsschiff zum Sinken gebracht hatte. Doch es war das letzte Aufbäumen. Persische Gelder glichen die Verluste des Peloponnesischen Bundes rasch aus, während sich die Athener selbst noch zusätzlich schwächten, indem sie ihre Admiräle, die im Siegestaumel versäumt hatten, die Schiffbrüchigen zu retten, zum Tode verurteilten – auch ein Ergebnis der Panik, welche der Mangel an Ruderern in den Reihen der Bürgerschaft verursachte.
Am Ende wurde ihre letzte, nur notdürftig bemannte Flotte im Jahre 405 v. Chr. unter unerfahrenen Kommandeuren bei Aigospotamoi im Hellespont vollständig zerstört; Athens Seemacht war dahin. Die Getreideversorgung aus dem Schwarzen Meer brach zusammen. Ein Jahr später musste Athen kapitulieren.
Prof. Dr. Raimund Schulz
lehrt Alte Geschichte an der Universität Bielefeld.
Literatur
Thukydides, Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt und herausgegeben von Helmuth Vretska und Werner Rinne. Stuttgart 2000. Raimund Schulz, Feldherren, Krieger und Strategen. Krieg in der Antike von Achill bis Attila. 3. Auflage, Stuttgart 2019.
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